Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 39)
- Language
- German
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37 kommene Vernichtung der Juden. Mag die deutsche Außenpolitik ihre Entschlüsse manchmal auch sprunghaft ändern, werden da und dort auch überraschende Freundschaftsbündnisse mit den Todfeinden von gestern geschlossen — in der Judenfrage gibt es keine Kompromisse, keine Abschwächungen, kein Zurück. »Die Juden sind unser Unglück«, hat Julius Streicher, der Nürnberger Psychopath und antisemitische Wüterich gesagt, und dieses Wort ist dogmatisch. In der Judenfrage geht man soweit, daß man sogar staatlich bedeutsame wirtschaftliche Notwendigkeiten nicht gelten läßt, wenn daraus Juden einen Nutzen ziehen könnten. Der Kampf gesren die Juden in Deutschland set{t keinen Tag aus und vielfältig sind die Phasen dieses Kampfes: jüdische Geschäfte werden übernommen — diese Übernahme stellt sich so dar, daß der jüdische Geschäftsinhaber gezwungen wird, sein Unternehmen für einen Papnenstiel abzugeben und dafür das Recht aufs Leben behält, die jüdischen Angestellten werden gekündigt; in vielen Ortschaften haben die Juden nicht mehr Wohn- und Aufenthaltsrecht, die primitivsten Berechtigungen unserer »Zivilisation« werden ihnen abgeschlagen. In manchen Gemeinden Süddeutschlands dürfen sie nicht einmal durch die Ortschaft fahren; Städte verkünden stolz, daß sie »judenrein« seien und ernten idafnr öffentliche Anerkennung. Die Verarmung der deutschen Juden macht rapide Fortschritte, sie sind zum größten Teil auf Hilfeleistung untereinander angewiesen, und aus dem mit eroßem Pomp und Schlagkraft unternommenen Bovkott ist ein latenter Zustand der Ächtung und wirtschaftlichen Kaltstellung geworden. Begünstigt wird dieses Vorgehen durch die großen nußennolitisehen Erfolge Deutschlands im legten Jahr. Unbeslreitbare Erfolge. Nachdem die Saarabstimmung ein ,Tal<r zuvor dem Prestige des Regimes und des Führers neue Nahrung gegeben hat. hat Hitler am 7. März die einseitige Loslösung Deutschlands vom Locarnovertrag verkündet, und am selben Tage sind deutsche Truppen in die entmilitarisierte Rheinzone einmarschiert. Damit hat Hitler seinen größten politischen Triumph gefeiert und Millionen Deutsche, welche bisher zögernd im Hintergrund gestanden sind, wurden mitgerissen, durch den Erfolg mitgerissen. Gebrochene Verträge bat es schon seit Wotans Zeiten gegeben. Man weiß, daß Deutschland erst jetjt die volle Gleichberechtigung hat, und um dies der Welt drastisch zu demonstrieren, hat man das grauenhafte Schnellrüsten, das man