Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 200)
- Language
- German
- Belongs to
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198 Felix Weltsch ejch mitgejn, un flegl sach lernen, wiasej me ret a schidach. Ejnmol hot em der alter gesogt: »Du jarschtejßt doch, as a schadchen darf schtendig megasem sajn.2) As die majdel hot, lomir rechenen,3) tausent rubel, darf der schadchen sogen, as si hot draijtausent. Is solstu wissen, un as du weßt gejn mit mir, weßlu schtendig megasem sajn doß, woß ich tvel rejden: wel ich sen, zil) du kenst schejn sajn a guter schadchen.« Der junger hot dos gut farschtanen. Ejn mol is er gekumen mit'n alten zu ejnem a balaboß^) rehden a schidach dem balaboß suna) Gewejntlach7) hot der alter schadchen ongehejben der erschter zu rejden. Sogt er: »Ir mußt wissen, as die mejdel is fun a ganz schejner haus.« Macht der junger: »Ss hejssts), a schejne haus? M' juchossim")!« »Un doss sanen rajche mentsehen.« — »Wos hejsst rajche? Miljonern!« — »In die mejdel is nischkosche1") fun a mejdel: a schejn mejdel.« — »Ss hejsst a schejne? a krassawize11)! « — »Mer nit — macht der alter — si hot ejn kleinem chessoren'2): si hot a pizimoninken13) herbele1') .« Macht der junger: »Woss hejsst a herbele? A horb, wi a barg!«i!i) Es liegt nahe, »ich die Frage vorzulegen, warum die jüdischen Witje und der jüdische Humor und die jüdische Komik so selbstkritisch und selbstherabsetjend sind. Und es ist interessant, wie ein Schüler Freuds, Siegmund Reik, diese Frage zu beantworten sucht. Er vergleicht diese Eigenschaft der Juden mit einer Eigenschaft der Melancholiker; auch der Melancholiker setjt sich herab und wütet gegen sich; wie die psychoanalytische Schule meint, bedeutet das, daß er sieh gleichsam mit einer Person, die ihm etwas angetan hat, identifiziert und daß er alles, das was er gegen sich vorbringt gegen jene Person tut, die er in seiner krankhaften Vorstellung in sich aufgenommen hat. Und so bedeutet die Sclbstherabsetjung der Juden eine Rache an ihren Bedrükkern; indem sie sich herabsehen, setjen sie eigentlich ihre Bedrücker herab. Diese Theorie ist vor allem aus dem Grunde nicht plausibel, weil die Eigenschaften, welche sich die Juden vorwer- ') Lehrling, 2) übertreiben, ") sugen wir, 4) ob, B) Hausherr, ") Sohn, 7) natürlich, 8) was heisst? ")ailelige, 10) nicht übel, ") Schönheit, M) Fehler, ") Winzigklein, '*) Buckel, 15) Berg, vgl. Pogpio Kracciolini, Facezie, Milano 1924 N CLXXVI, S. 155. I