Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 193)
- Language
- German
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Der jüdische Witj 191 maten zu sehen. So gut dies auch heohaehtet ist, so scheint diese Theorie über das Kornische doch zu eng zu sein. Die Gegensätze, die im Komischen zusammenstoßen, sind nicht immer solche zwischen Lehen und Maschine. Bergson gibt auch auf die Frage: Warum lachen wir, eine sehr originelle Antwort. Das Lachen ist ihm ein sozialer Vorgang, der als Korrektiv des Automatischen wirken soll. Das Lachen ist gleichsam eine Strafe, welche den trifft, der das Leben durch Automatismus, durch Starrheit, durch Trägheit verraten hat. Das Lachen will ihn wieder zum Leben zurückbringen. Es ist ein Mittel, um den Hang des Menschen, aus dem Leben immer wieder in das Automatische zu verfallen, zu paralysieren. Die Theorie ist geistvoll, aber wenig überzeugend. Es ist gewiß sehr gezwungen, das Lachen immer als eine Strafe für etwas aufzufassen, als ein Besserungsmittel. Nicht jedes Lachen ist ein Auslachen. Aber selbst die Ansicht, daß Auslachen stets ein Korrektiv ist, scheint zweifelhaft zu sein. Betrachtet man die Entwicklung der Erkenntnis dieses Problems, so zeigt sieh hier ein nicht unbefriedigendes Bild; das Problem wird immer wieder, von neuen Seiten, mit neuen Mitteln, aus neuen weltanschaulichen Aspekten in Angriff genommen, und die Besultate kommen einander näher, sie ergänzen einander, und es ist ein wirklicher Fortsehritt der Erkenntnis — durch Zusammenwirken vieler — zu konstatieren. In diesem Sinn mögen auch die Anmerkungen zum Problem, die hier gegeben worden sind, als kleiner Beitrag zur Aufklärung angesehen werden. DER JÜDISCHE WITZ. Vom allgemeinen Problem des Witjes hebt sich das Problem des jüdischen Witjes charakteristisch ab. Die ganze Welt — so seheint es — weiß, was ein jüdischer Wiß ist. Dennoch ist es nicht ohneweiters möglich, das Charakteristische eines jüdischen Witjes anzugeben. Hier soll ein Versuch gemacht werden. Da sind vor allem festzustellen: 1. äußere Merkmale: die Sprache, der Rhythmus, die Melodie, das Minenspiel des jüdischen Witjes.