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Jüdischer Almanach · 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 189

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5696 (1935-1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 189 (sequence 191)
Language
German
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Der jüdische Witj 189 piertseins als neue richtige Beobachtung hervorzuheben. Das Charakteristis<he des Witjes ist eben, daß die Lösung des Widerspruches so erfreut, daß er als eigentlich nicht vorhanden gewesen erkannt wird; das aha! bedeutet, wie ich vorhin darstellte, etwas wie: Ach so, die ganze Anstrengung war unnötig! Sehr viele Versuche, den Witj zu erklären sind viel zu weit; wie etwa die Ansicht des Aristoteles, das Lächerliche sei ein Fehler, der unschädlich sei; oder zu eng wie Mendelssohn: Das Lachen beruht auf einem Kontrast zwischen einer Vollkommenheit und einer Unvollkommcnheit; nur darf dieser Kontrast von keiner Wichtigkeit sein und uns nicht sehr nahe angehen. Unserer Auffassung ziemlich nahe kommt Jodl, nach dem das Komische des Witjes darin besteht, daß zwei für gewöhnlich weit auseinander liegende Vorstellungen oder Vorstellungsreihen, in der Weise verknüpft werden, daß plötzlich und mit blitjartiger Klarheit die Möglichkeit oder Tatsäehlichkeit ihrer Verbindung in einer wechselseitigen Beziehung einleuchtend wird, während fast im nämlichen Moment ihre totale Inkongruenz ins Bewußtsein eintritt. Sehr richtig ist auch die Bemerkung Theodor Vischers, nach welchem der Witj eine Fähigkeit ist, mit überraschender Schnelle mehrere Vorstellungen, die nach ihrem innern Gehalt und dem Nexus, dem sie angehören, einander fremd sind, zu einander zu verbinden. Ahnlich Kuno Fischer: Was noch nie vereint war, ist mit einemmal verbunden und in demselben Augenblick, wo uns dieser Widerspruch noch frappiert, überrascht uns schon die sinnvolle Erleuchtung. Ganz ausführlich haben sieh vor allem drei Forscher mit dem Wesen des Witjes beschäftigt: Theodor Lipps, Siegmund Freud und Henri Bergson. Für Theodor Lipps liegt die komische Wirkung darin, daß an Stelle von etwas erwartetem Großen etwas Kleines tritt; ein Etwas wird zu einem Nichts. Diese Darstellung hat viel Richtiges an sich, ist aber sowohl zu weit als auch in anderer Hinsicht zu eng. Zur Frage, wie das Lachen entsteht, bringt Lipps einen sehr richtigen und wichtigen Beitrag. Wir brauchen zu allem, was wir denken und fühlen, ein gewisses Maß von psychologischer Anstrengung. Etwas Großes verlangt eine große psychologische Anstrengung. Erwarten wir etwas Großes, so bereiten wir einen

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