Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 190)
- Language
- German
- Belongs to
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- ~ * V 188 Felix Weltsch spielerische Bewegung. Es gefällt dem Geist Auseinanderliegendes durch einen Einfall zu vereinen; ohne Not, ohne Zwang; aus Lvist an der Freiheit. Im Witj kann sich der Geist, der im Wesen frei ist, und den die Hast des Lebens so wenig zum Genuß seiner Freiheit kommen läßt, ein wenig freimachen. Hier kann er allen Notwendigkeiten ein Schnippchen schlagen; hier spürt, hier prüft er seine Freiheit, auf kleinem Terrain, mit kleinem Aufwand, rasch und leicht, mitten im Ernst des Lebens. Man lacht also über den Witj, weil die Erkenntnis der Pointe eine Befreiung von einer kleinen chaotischen Gefahr ist. Und man freut sich über den Witj, weil der Geist in ihm seine Freiheit genießt. Ein problemgeschichtlicher Rückblick Ein kurzer Rückblick über die Geschichte der Philosophie des Witjes soll unsere Ansicht erhärten. Wenn es auch durchaus keine einheitliche Auffassung über das Wesentliche des Witjes gibt, so ist doch die Übereinstimmung in den verschiedenen Definitionen und Erklärungen sehr groß. So entsteht zum Beispiel für Immanuel Kant der Witj durch die »plötzliche Verwandlung einer gespannten Erwartung in Nichts. Indem der Verstand das Erwartete nicht findet, fühlt er die Wirkung des Nachlassens der Spannung im Körper als lustvoll.« Deutlich erkennt man hier das Überflüssigwerden der Spannung, die lustvolle Entspannung. Wenn Schopenhauer das Lachen auf die wahrgenommene Inkongruenz zwischen einem Begriff und den realen Objekten erblickt, so hat er damit — in viel zu enger Weise — einen speziellen Fall richtig dargestellt. Sehr gut ist die Darstellung Harald Höffdings: »Das Lächerliche besteht darin, daß etwas Ohnmächtiges wegen des Gegensatjes zu einer überlegenen Macht plötjlich in seiner Nichtigkeit erscheint. Das Lächerliche setjt voraus, daß wir uns einen Augenblick haben düpieren, verblüffen, von einer Illusion befangen oder durch eine Erwartung zwingen lassen, und daß das Ganze sich nun auf einmal in Nichts auflöst!« Hier ist besonders das Element des Dü- I