Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 188)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Felix Weltsch prik12) hin Berlin rejden? Wer? wen? Men ret take in Ginschprik, un reb Todreß ret in Berlin un nie hert. Ir jarschtejt? Eß gejt alß asej geschwint, as me ken gor net glejben.«13) Macht der row: »Je, take emefi") eß is nissim w 'nifloeß. Nor farschlejn farschlej ich nit: woß ajlen sej'r') sach asej in der grejßer weit?« Dieser Witj, der auch wieder an die Gattung Anekdote grenzt, zeigt wunderbar naiv, worin die großen Errungenschaften unserer Zeit bestehen: in Eile. Die philosophische Bedeutung eines Wiftes — die also über das eigentliche Wesen des Witjes schon hinausgeht — hat noch immer etwas Statisches; es ist etwas Erkenntnismäßiges. Sehr viele Witje haben aber eine dynamische Bedeutung; d. h. sie haben eine Tendenz. Der Witj dient dem Spott, dem Sarkasmus, der Ironie. Er bedeutet eine Rache oder einen Angriff. Das Lachen wird zum Verlachen. Wir kommen darauf noch zurück. Der Unterschied zwischen der Technik des Wittes und der allgemeinen Technik des Komischen ist oben dargelegt worden. Hier wäre noch kurz auch auf den Unterschied zwischen Witj und Komik hinzuweisen. Der Witj geht in letjter Linie auf eine Erkenntnis oder auf eine aktive Tendenz. Dem gegenüber liegt die tiefere Bedeutung des Komischen in wärmeren Gefühlszonen. Der Witj ist kalt, die Komik ist warm. Das Lachen über einen Witj hat etwas Spikes, das Lachen über einen komischen Menschen ist viel weicher. Es ist ein gerührtes Lachen, eine mit Mitgefühl oder Mitleid gemischte Überlegenheit. Alle bisherigen Erwägungen suchten die Frage zu beantworten: Worüber lacht man? Die Frage: Warum lacht man? ist weit schwerer zu beantworten, weil ihr Ort zwischen Psychologie und Physiologie gelegen ist. Es scheint zwar nicht von vornherein unmöglich, daß es einer intensiven psychologischen Beobachtung einmal gelingen könnte, ins Reich der Physiologie zu dringen; d. h. '") Königsberg, Preußen, 13) glauben, ,4) wirklich wahr, n) sie. I