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Jüdischer Almanach · 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 183

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5696 (1935-1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 183 (sequence 185)
Language
German
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Der jüdische Wiß 183 Wir kehren nun wieder zum Witj zurück. Was bisher dargelegt wurde, bezieht sieh auf die Technik des Witjes. Ein guter Witj ist aber meist mehr als ein Wi|j; er ist ein Angriff, eine Rache oder eine Weltanschauung. Nicht jeder Witj hat diese Tiefendimension. Es giht technisch ausgezeichnete Witje, welche ganz harmlos und wirklich nur Spiel sind. Aber von ihnen sind eben jene — Witje zu unterscheiden, die nicht nur »Scherz« sind, sondern auch eine »tiefere Bedeutung« haben. Zum Beispiel: Ein Bettler erhält von einem reichen Mann ein Almosen. Als der reiche Mann dann ins Restaurant kommt, sieht er dort den Bettler sißen, der gerade eine Portion Lachs mit Mayonnaise verzehrt. Voller Grimm fährt er ihn an: »Was, erst betteln Sie, und dann essen Sie hier Lachs mit Mayonnaise?«. Darauf der Bettler: »Ich verstehe Sie wirklich nicht. Wenn ich kein Geld habe, kann ich nicht essen Lachs mit Mayonnaise; und wenn ich Geld habe, darf ich nicht essen Lachs mit Mayonnaise; wann also soll ich eigentlich essen Lachs mit Mayonnaise?« Hier stoßen auch zwei verschiedene Vorstellungsweisen in einer Situation zusammen; die eine ist die normale, die alles bedenkt und der Meinung ist, daß ein Bettler wichtigere Dinge für ein Almosen zu kaufen hat, als Lachs. Und die andere, welche aus einer bestimmten Triebsituation heraus auf Lachs mit Mayonnaise eingestellt ist; der Zusammenstoß entsteht, indem der Reiche es als selbstverständlich annimmt, daß der Arme so denkt, wie er, daher sein Benehmen nicht versteht, während der Arme annimmt, daß der Reiche so denkt, wie er, daher seine bestimmte Frage nicht versteht. In der Tatsache, daß sie miteinander so sprechen, als ob sie beide einer Ansicht wären, liegt die Klammer. Die Erkenntnis der beiden entgegengesetzten Ansichten zerreißt die Klammer. Dieser Witj hat aber offenbar auch eine tiefere Bedeutung. Denn hinter den Worten des Armen liegt die soziale Frage. Wann soll wirklich der Arme Lachs mit Mayonnaise essen? Oder hat nur der Reiche dazu das Recht? Es scheint also gleichsam hinter der einseitigen auf Lachs mit Mayon-

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