Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 182)
- Language
- German
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180 Felix Weltsch Einer der von den Theoretikern des Witjes am meisten zitierten Witjc ist jener von Heinrieh Heine in den Bädern von Lucca gemachte: Hirsch Hyazint erzählt da, wie er bei Rothschild war und wie er von diesem familionär behandelt worden sei. Was ist hier geschehen? Die Vorstellung Familie mit allen ihren Associationen ist mit der Vorstellung Millionär mit allen ihren Associationen zu einer Einheit zusammengekoppelt worden. Die »Klammer« ist hier eine künstliche Wortverschmelzung. Am meisten wird als Klammer ein Wort verwendet, das verschiedene Bedeutungen hat, d. s. also Aequivokationen. Es werden die beiden verschiedenen Bedeutungen eines Wortes, zwei an sich also ganz verschiedene Gedanken, durch den zufälligen Gleichklang des Wortes zu einer auseinanderstrebenden Einheit verschmolzen, die nur so lange anhält, als man die illegitime Identifizierung, den Trick der Aequivokation nicht durchschaut hat. Worte, die verschiedene Bedeutungen haben, laden ja geradezu zu Witjen ein. Das lehrt die Erfahrung. Der Wit? liegt infolge des gleichlautenden aber Verschiedenes bedeutenden Wortes gleichsam schon vorbereitet, er braucht nur noch gemacht zu werden; und es gibt genug Menschen, welche der Versuchung nicht widerstehen können. In diese Kategorie gehören die primitivsten Witje. Etwa folgende: »Was machst Du für ein Gesicht?« — »Ich habe beim Rennen Geld verloren!« — »Geschieht Dir schon Recht, Geh' langsam!« Oder ein Bruder dieses Witjes: »Wohin rennst Du?« »Zum Arzt, meine Frau gefällt mir nicht.« — »Ach, da geh ich mit, meine gefällt mir auch nicht.« Auf einer Doppelbedeutung beruht auch der berühmte Witj von Saphir, der sich von einem reichen Mann Geld ausborgen wollte; Dieser bestellte ihn für den nächsten Tag, um sich das Geld abzuholen. Als er dann zum reichen Mann kam,