Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 181)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4919024-4919797--0756-4919978- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der jüdische Witj 179 die Klammer; sie wird überflüssig, ebenso wie die Anstrengung der Denkhemmung. Man schüttelt diese überflüssig gewordene Anstrengungsinnervation durch Lachen ab. Es war hier von zwei Gedankenreihen die Rede; das war nur ein Spezialfall; es können auch bloß zwei Gedanken sein; es können auch zwei ganze Gedankensysteme sein; es können aber auch zwei Situationen, oder zwei Situationsreihen, oder zwei Situationssysteme sein. Es können auch zwei Wörter sein, oder zwei Wortbedeutungen; oder zwei verschiedene Vorstellungen; oder die Wirklichkeit und die Vorstellung von ihr; kurz zwei verschiedene Denkelementc oder Dcnkkomplexe. Aber auch die »Klammer« kann verschiedener Natur sein; irgendetwas den beiden »Gedankenreihen« Gemeinsames: ein Gedanke, ein Wort, eine Situation. Es gelingt also dem Witj zwei Gedanken, oder zwei Systeme, oder zwei Welten, welche voneinander verschieden sind, ja in einem gewissen Gegensaß stehen, durch irgend ein kleines unscheinbares Bindeglied, die Klammer, zu verschmelzen. Es wird etwas Nichtzusammengehöriges, Unverträgliches, Auseinanderstrebendes durch eine Klammer künstlich zusammengehalten; indem die Klammer durch das Verständnis zerrissen wird, erfolgt die Erschütterung des Lachens. Es ist ein ähnlicher Vorgang wie in der Chemie. Was geschieht hier, wenn zwei Elemente, die. einander nicht vertragen, mit Gewalt, oder durch irgend einen Trick zusammengefügt werden? Sie explodieren bei passender —• oder unpassender Gelegenheit. Der Witj ist etwas sehr Ähnliches. Nur erfolgt hier die Explosion durch Lachen. Und was geschieht im Leben, wenn zwei Menschen, welche nicht zusammenpassen, durch irgend ein Mittel, durch irgend eine künstliche Klammer, zusammengehalten werden? Sie gehen schließlich mit Krach auseinander. Beim Witj, der kein Ernst ist, äußert sich das Krachen in einer Lachsalve. Die »Klammer« ist somit das Kernstück des Witjss; auf sie kommt es an; und sie bestimmt auch den Charakter und die Art des Witjes. Wie schon erwähnt, kann die Klammer Verschiedenes sein, ein Wort, ein Name, ein Begriff, ein Gedanke, ein Saß, eine Situation usw. Das läßt sich an Beispielen leicht zeigen. 12»