Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 176)
- Language
- German
- Belongs to
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174 Esriel Carlebach über die Brisker Grenzen hinaus, bis der Waggon sich mit lauter Juden füllte, die fuhren, wie man eben damals, zu des Zars Zeiten, fuhr: ohne Billett, mit einem Trinkgeld für den Schaffner, der einen auch rechtzeitig warnte, bevor •ein Kontrolleur kam. Es sitjt also der Chelmer mitten unter diesen Juden, wie plötjlich der Schaffner hereinläuft und schreit: »Der Kontrolleur! Rettet Euch!« Da steigen alle Juden von ihren Sitjen, nehmen ihre Packen und Päckchen und legen sich unter die Bänke. Der Kontrolleur, gefolgt von dem Schaffner, kommt in den Waggon, — es ist ein vollkommen leerer Waggon. Wie sie ihn schon durchlaufen haben und herausgehen •wollen, sieht der Kontrolleur unter einer Bank ein paar .Stiefel. Und er befiehlt dem Schaffner: »Sieh mal nach, was das für ein paar Stiefel sind.« Der zieht die Stiefel hervor und in ihnen ein paar Füße und nach ihnen einen lebensgroßen Chelmer. Der Kontrolleur fährt ihn an: »Wo ist dein Billett?« Der Chelmer kramt in seinen Taschen und holt es heraus. Der Kontrolleur schnauzt weiter: »Wenn du eine richtige Karte hast, warum bist du dann unter die Bank gekrochen?« Und der Chelmer: »Ich hab gesehen: alle kriechen, — da bin ich auch gekrochen.« DEN FALSCHEN GEWECKT. Jener Chelmer fuhr bis Warschau. Und wohnte dort in •einem jüdischen Hotel, wo zufällig auch ein Offizier wohnte. In demselben Schlafsaal. Am Tag vor der Rückreise bittet der Chelmer, rechtzeitig geweckt zu werden; denn sein Zug geht in aller Frühe. Er steht auch zur Zeit auf, aber es ist noch dunkel, er findet seine Kleider nicht und fährt aus Versehen in ■die vom Offizier. Er kommt auf den Bahnhof, — man verlangt kein Billett von ihm, man salutiert nur. Er kommt auf den Perron, — man schlägt die Hacken vor ihm zusammen und öffnet ihm ein Coupe erster Klasse. Der Chelmer steigt ein und beschließt, sofort nach den