Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 172)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4919024-4919797--0747-4919969- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
170 Esriel Ca rieh ach Das Kalb läuft zum Rabbi, der Bauer hat endgültig verspielt und Chelm hat seit damals jene Rabbiners-Nachkömmlinge, die in der ganzen Welt als die Chelmer Kälbehen bekannt sind. REDEN IST SILBER. Je älter der Chelmer Rabbi wurde, desto dümmer wurde er. Schließlieh war es so arg geworden, daß er es schon selber merkte. Und er verabredete mit seiner Frau, daß wenn er wieder einmal vor dem Gemeinderat säße und allzuviel Quatsch redete, sie hereinkommen solle, um ihn dezent zur Ordnung zu rufen. Sie solle dann, zum Zeichen, ihn bitten, ihr die Schrankschlüssel zu geben. Nicht lange danach redete der Rabbi vor der Gemeinde- Versammlung, redete und redete ohne Ende und der Rebhezin wurde Angst, sie ging hinein und tat wie verabredet. Da guckte der Rabbi auf und fragte die Versammlung: »Sagt mal, was für Dummheiten habe ich jetjt eigentlich wieder geredet, daß die Rebbezin schon den Schrankschlüssel haben will?« WIE DER RABBI VERLOREN GING. Vor Ärger und Kummer wurde die Rebbezin krank und Chelm fand, sie müsse jeden Morgen Milch trinken. So sammelte man etwas Geld und schickte den Rabbi, eine Kuh kaufen. Und man schärfte ihm ein, was alles die Kennzeichen einer Kuh seien. Unter anderem auch, daß sie einen Euter habe. Daß er aber, da er nur wenig Geld zur Verfügung hatte, allzu wählerisch nicht sein dürfe, und auf eines der Kennzeichen unter Umständen verzichten müsse. Natürlich verzichtete der Rabbi gerade auf den Euter und brachte einen Ochsen an, aber weil der Rabbi selbst sagte, es wäre eine Kuh, so glaubte Chelm daran und wollte für des Rabbi Haustier nun nur noch einen Stall bauen. Aber man hatte kein Geld mehr, auch noch neue Bretter zu kaufen und beschloß, daß jeder eines aus seiner Diele reißen müsse. Aber man hatte auch kein Geld mehr für die Nägel, mit denen man die Bretter zusammenfügi'ii konnte und es wurde bestimmt, daß dann eben jeder Chelmer sein Brett mit den Händen da festhalten sollte, wo es in den Stallbau hineingehörte. I