Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 149)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4919024-4919797--0724-4919946- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
N ä Ii c r e s über meine Ermordung 147 gestohlen hatte, die schönen Worte üher mich und die näheren Angaben über ineine grausame Ermordung durch ein mysteriöses Individuum las. Das Spiel ging drei Tage weiter. Ich gab nicht nach, wiewohl es mich mächtig verlockte, der erste in der Kriminalgeschichte aller Völker zu sein, der wegen Mordes an sich selbst verurteilt wird. Durch neu eingelieferte Gefangene hörte ich, daß die Polizei fieberhaft meine Leiche suche und daß das Volk meinen, das heißt des Mörders Kopf fordere. War mächtig stolz auf mich. Endlich am vierten Tag, da ich standhaft weiter leugnete, mich umgebracht zu haben, eröffnete man mir, daß ich in Untersuchungshaft sitjen würde, bis ein gewisser Spezialmann aus Scottland Yard eingetroffen sein würde. Der würde mich schon kleinkriegen! Die gesamte europäische Presse, soweit sie nicht mit Fußball und Wettrüsten beschäftigt ist, mache einen Riesenlärm, daß ein Pressekorrespondent so ohneweiters in Jerusalem umgebracht werde. »Der Galgen ist dir sicher!« sagte ein Offizier. Ich sagte darauf: »Hub!« Drei Wochen lang sah ich außer dem Zellenwächter, einem sudanesischen Neger mit Pockennarben, keinen Menschen. Ich erschlug inzwischen alle hindustanischen Wanzen, wurde mager, die Wut fraß an meinem Herzen, aber eines Tages entdeckte ich, daß mein Bart wieder ein Bart war. Da bekam ich einen Lachanfall, daß der Sudanese schleunigst die Wache alarmierte. Ich hatte gerade zur rechten Zeit gelacht, denn bald erschienen wieder vier reichlich bewaffnete Herren und schleppten mich hinauf. Der Spezialist aus Scottland Yard war angekommen. Sie stießen die Tür auf und mich hinein — vier Offiziere fielen beinahe zusammen, während ein englisch aussehender Gentleman verwundert dreinschaute. Da schrien die Offiziere wie aus einem Mund: »Yin al abük, das ist ja der Ermordete, da ist doch Ben-gavrielü« »Kann man wohl sagen«, antwortete ich den völlig Fassungslosen und rieb freudig meinen neuen Bart, »jawohl, der Ermordete ist da. Ich bitte um Konfrontation mit meinem Mörder.« Es würde zu weit führen, wollte ich den weiteren Verlauf der Sache in genauen Details beschreiben. Es genügt, wenn ich mitteile, daß die Polizisten schworen, mich aus der Zelle abgeholt zu haben und daß dort außer mir kein Mensch anwesend gewesen wäre. Alles Suchen nach dem hl'