Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 148)
- Language
- German
- Belongs to
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146 M. Y. Ben - g a v ri el dann meinte er: »Gestern war ich mit Ben-gavriel im Kaffeehaus und mit keinem andern, du Sohn eines Hundes.« Jetjt, erst jetjt ging mir eine Ahnung auf: der Bart war an der ganzen Schweinerei schuld. »Aber ich bin doch Ben-gavriel, mein Liebling«, sagte ich verzweifelt und warf ihm meine von der Regierung ausgestellte Presselegitimation unter die Nase. Das verschlechterte aber meine Situation ganz bedeutend: »Ha«, brüllte der Offizier, »der Kerl hat die Legitimation gestohlen. Da, sieh her, du Hund«, er hielt mir das Foto vors Gesicht, »Bengavriel hat einen Bart und dein Gesicht sieht aus wie der Hinterteil eines Säuglings!« Ehe ich noch antworten konnte, saß ich schon in der Zelle für Untersuchungsgefangene. »Verfluchter Bart, verfluchter Primus!« fluchte ich, »wenn wenigstens meine Frau in Jerusalem wäre, um mich zu agnoszieren!« Zwei Tage lang rannte ich fluchend durch die Zelle. Wenn ich nicht fluchte, unterhielt ich mich mit einigen gigantischen Wanzen, die mein Vorgänger, ein Hindu, hier vergessen hatte. Ich versuchte, von ihnen Hindustani zu lernen, aber es ging nicht, weil plötjlich vier exquisit bewaffnete Polizeisoldaten hereintraten, mich in die Mitte nahmen und ins Untersuchungszimmer schleppten. Ich wollte mit einem Scherz eintreten, aber als ich die sehr ernste und sozusagen eisige Miene der vier Polizeioffiziere, die da herumsaßen, sah, verstummte ich. Einer dieser Leute schrie mir sofort entgegen: »D« hast den Zeitungskorrespondenten Ben-gavriel ermordet!!« »Wie bitte?« sagte ich und war mir sofort klar, daß in diesem Raum zumindest ein Mann verrückt sein müsse. »Jawohl«, brüllte der andere, »Ben-gavriel ist laut Abgängigkeitsanzeige seit zwei Tagen spurlos verschwunden und du hast seine Legitimation bei dir gehabt.« »Kunststück«, antwortete ich verärgert, »wenn ihr ihn seit zwei Tagen im Gefängnis sitjen läßt?« »Du willst wohl damit sagen, daß du Ben-gavriel bist? Höre, du hättest dir eine etwas intelligentere Verteidigung zurechtlegen können. Jeder von uns kennt den Verschwundenen.« Was soll ich Ihnen erzählen? Es war kein Vergnügen, das nun folgte. Vier Stunden wurde ich kreuzverhört. Aber kleinkriegen ließ ich mich doch nicht. Ich blieb standhaft dabei, daß ich midi nicht ermordet hätte. Aber nachher, in der Zelle, vergoß ich ein paar Tränen der Rührung, als ich in einer Zeitung, die ich im Untersuchungszimmer