Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 147)
- Language
- German
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Näheres ülicr meine Ermordung 145 er sich ängstlich nach einem Polizeisoldaten umsah. Als mir dies in schneller Folge zwei oder dreimal passierte, begann ich allmählich mich über die Menschen zu wundern. Die Hitje, sagte ich mir, die Hiße scheint ihnen das Gehirn ausgetrocknet zu haben. In einem Geschäft, wo ich mir jeden Tag die Zeitung kaufe, gab es Skandal. Als ich mich, wie gewöhnlich, mit der Zeitung entfernen wollte, um sie dann am Monatsende zu bezahlen, sprang der Mann mir nach, packte mich am Arm und schrie: »He, Geld!« Verwundert wies ich darauf hin, daß ich doch seit Jahren abonniert bin. Der Mann aber hörte nicht auf mich, sondern schrie wie auf dem Spieß: »Shoter, shoter: gaslanim!« Wütend schmiß ich ihm das Geld hin und erklärte, niemals wieder sein Geschäft zu betreten. »Dein Haus werde verbrannt«, antwortete er landesüblich. Ärgerlich ging ich ein paar Schritte weiter, als mir eine verschleierte Araberin entgegenkam, die ich daran als meine Hauswirtin erkannte, daß dicht hinter ihr mein Hauswirt und ihr Bruder daherkamen. Ich grüßte sie, was man ja nur dann tun darf, wenn man die Verschleierte gut kennt. Die beiden Araber hinter ihr nahmen auf meinen Gruß, wie auf Kommando, ihre Stöcke hoch und fielen über mich her. Ich war so perplex, daß ich zuerst kein Wort finden konnte. »Ahmed, ya habibi«, sagte ich dann, »Ahmed, mein Liebling, und du, o Ali, seit ihr plötjlich irrsinnig geworden?« Sie schauten einander an und dann sagte der Eine zum Andern: »He, woher kennt denn uns dieser Bursche, yil an abuk, sein Vater sei verflucht!« Ich wollte aufklären, aber es standen bereits mehr Leute um uns herum, die gegen midi Partei ergriffen, als es gelegentlich einer öffentlichen Disputation angenehm ist. Dis Ende war das, daß zwei Polizeisoldaten mich aufs Quartier mitnahmen. Hätte eine verschleierte Dame belästigt, gaben sie dort an. Der Offizier, der uns empfing, war ein guter Bekannter von mir. Erleichtert atmete ich auf, — aber siehe: der Mensch brüllte mich an, als ob er mich zum erstenmal sähe. »Es ist doch meine Hauswirtin«, sagte ich, »du weißt es doch, o Hamdi beg.« Die Araber brüllten vor Lachen auf, und erklärten, daß ich ein ihnen völlig unbekannter Lügner sei. Nun fragte mich der Offizier, wie ich heiße. Das ging mir nun aber doch über die Hutschnur und ich brüllte: »Hast du mich gestern nachmittag, als wir zusammen im Kaffeehaus saßen, auch gefragt, wie ich heiße?« Der Offizier schaute mich an und Hl