Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Almanach · 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 142

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5696 (1935-1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 142 (sequence 144)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4919024-4919797--0719-4919941
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

142 Arkadij Awertschenko »Uj«, quietschte er nur. »Was versteht er denn«, sagte die alte Gitelson. »Was versteht er schon, dieses kleine, dumme Ding? Man muß ihn zu einem Augenspezialisten führen! Zu demjenigen, der die Augen kuriert«, bestätigte Frau Stielmann; »welcher in einer Zehnstundenfahrt-Entfernung von hier wohnt«, teilte Frau Perlmutter liebenswürdig mit. »Zehn Stunden hin, zehn Stunden zurück«, erläuterte die alte Gitelson. »Frau Freiberg!« sagte Frau Perlmutter ruhig, unheilverkündend. »Das Auge dieses Knirpses wird sich ihnen auf 15 Rubel stellen.« Frau Freiberg preßte die Zähne aufeinander, ihre Gesichtszüge versteinerten und sie sagte gefaßt: »Gut, für mein Kind tu ich es.« Sie nahm das Kind bei der Hand und fügte hinzu: »Komm' nach Hause, daß der Teufel dich nicht an einen unreinen Ort verschleppe!« IV. Frau Freiberg hatte es die letjten Tage sehr eilig. Sie besaß nur acht Rubel Bargeld, Arontschik's Auge rötete sich wie ein Rubin und die Nachfrage nach Nadeln und Bändern sank bis ins lächerliche. Deshalb mußte Abramka eine doppelte Portion von Backwerk absetjen und Frau Freiberg schlief nur, während sie ihre Kinder wusch, schalt und umarmte, und die Nächte hindurch nähte sie und strickte; eine Ausschweifung wie Weinen erlaubte sie sich nicht länger, als zehn Minuten täglich. Als sie schon zehn Rubel beiseite gelegt hatte, erschienen die Nachbarinnen; Frau Perlmutter, Frau Stillmann und die alte Gitelson und sagten: »Was heißt denn das, nehmen sie doch die restlichen fünf Rubel von uns, Frau Freiberg, sie benötigen sie doch zu dieser Stunde so sehr.« Da einige Minuten unausgefüllt blieben, weinte Frau Freiberg, während sie das Geld einsteckte. Im selben Augenblick wurde sie sachlich und beschloß, noch am selben Abend mit Arontschik zu reisen .. . V. Surah kam vom Markte nach Hause gelaufen, vierzig Minuten vor dem Zug. Da der Weg bis zum Bahnhof vierzig Minuten dauern mußte, packte Surah ihren Arontschik,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.