Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 141)
- Language
- German
- Belongs to
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Ostjüdischer Humor 139 Und der Reiche antwortete: »Du wirst nie reich werden, denn du gibst dein Geld für Wohltaten aus. Merke es dir ein für allemal: wenn man reich werden will, muß man in den ersten zehn Jahren ein hartherziges Schwein sein.« Drauf Chaskel: »Und wenn die zehn Jahre um sind?« »Dann bleibt man schon so« — antwortete der Reiche. DER UNTERSCHIED. Ein Jude aus Kowno kam nach Wien. Er hatte einen Hunderter hei sich und wollte ihn wechseln. Er ging von einem Laden zum andern, aber niemand konnte ihm den Hunderter wechseln. Als er wieder unverrichteter Dinge aus einem Laden trat, konnte er sich nicht enthalten, seinem Unmut Ausdruck zu verleihen, und rief einem vorübergehenden Juden zu: »Eine sonderbare Stadt, dieses Wilna — wenn man hier einen Hunderter wechseln will, hat niemand soviel Kleingeld!« »Nicht halb so schlimm wie Kowno«, — entgegnete der Angesprochene, — »wenn man in Kowno einen Hunderter wechseln will, hat keiner den Hunderter!« ENTWEDER — ODER. Ein Jude ging auf den Markt, er wollte sieh ein wenig umsehen. Wie er so über den Markt schlendert, fällt ihm ein Bottich mit schönen großen Fischen auf — so schöne, große Fische kriegt man nicht alle Tage zu sehen! Er bleibt stehen und betrachtet entzückt die schönen, großen Fische. Ganz hesonders gefällt ihm ein Fisch, ein Prachtexemplar, lang und breit wie ein kleiner Leviathan. Und wie der Verkäufer sich abwendet, faßt der Jude den Fisch, steckt ihn unter den Rock und geht. Der prachtvolle Fisch aber war sehr lang und sein Schwanzende guckte unter dem Rock des Juden hervor. Da ruft der Verkäufer: »He, Nachbar, auf ein Wort! Entweder du trägst einen längeren Rock oder du stiehlst einen kürzeren Fisch!