Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 139)
- Language
- German
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137 WITZ, HUMOR UND ANEKDOTE O s t j ü d i s c h e r Humor Einige Proben ostjüdischen Humors, nacherzählt, so gut es geht, der kleinen Sammlung »Rojte Pomeranzen« von Dr. Immanuel Olsvanger von Dr. Siegfried Schmiß. EIN KOMPLIMENT. Eine Kehillah hatte einen Row, der war mit seinen Gemeindemitgliedern sehr unzufrieden. Eines schönen Tages hatte er es satt und erklärte, er werde die Kehillah verlassen. Für die Stadt bedeutet das eine große Schande: der Row sagt seiner Gemeinde auf — was wird die Welt dazu sagen? Eine Versammlung wurde einberufen und man beschloß, zwei Balehatim zum Row zu entsenden —■ sie sollten ihn von seinem Entschluß abbringen. Man wählte die zwei reichsten — zwei reiche Leute mußten doch auf den Row Einfluß haben! Die zwei Balehatim, die man gewählt hatte, waren wirklich und wahrhaftig steinreich, aber große Sehweine. Am Tage nach der Versammlung gingen sie zum Row. Sie treten ein, man begrüßt einander; sie nehmen Platj, das Gespräch beginnt: »Wie ist das möglich, Rebbe? Warum? Wieso? Was ist der Grund?« Drauf der Row: »Wie soll ich euch das erklären? Nun — gäbe es in der Kehillah nur fünf Leute wie ihr seid, so würde ich bleiben.« Die zwei Abgesandten fühlen sich sehr geschmeichelt und wechseln verständnisvolle Blicke: »Rebbe, Ihr tut uns zuviel Ehre an — fünf Leute, wie wir sind, werden sich in der Kehillah sicher finden!« Und der Row antwortet: »Wären es nur fünf, so wäre es ja auszuhalten, es gibt aber an die hundert solcher Leute wie ihr!« DER EID. Drei Männer sitjen in einem Gasthaus und spielen Poker — der eine ist ein Pole, der zweite ein Deutscher, der dritte ein Jude. Plötjlich tritt ein Gendarm ein. Er merkt, daß