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Jüdischer Almanach · 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 133

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5696 (1935-1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 133 (sequence 135)
Language
German
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Die Prager Sippurim 133 half fortan seiner Mutter im Laden und brachte den Handel bald hoch. Sulamith aber folgte ihm und stand ihm zur Seite, wie Salomo die Frauen gepriesen hat. »Ihre Hand greift in den Rocken und reicht sie auch freundlich dem Dürftigen, darum fehlte es dem Hause nie an Brot.« Zu ihnen kamen die Armen und Dürftigen, die Schüler auch, und alle priesen sie und ihre Wohltaten. Eines Abends nun trat, in einen Sack gekleidet, ein Bauer in das Gewölbe, um Eisenstücke zu kaufen; er suchte lange, wählte und verglich, dann aber bat er, die Schuld später bezahlen zu dürfen. »Wenn Ihr die Dinge braucht, so nehmt sie ohne Geld! Geht im Namen Gottes und kommt wieder, sooft Ihr mich braucht!« »Da Ihr so gütig seid, Herr Mardochai, will ich Euch von einem Geschäft sagen, das Euch Nutjen bringen kann. In meiner Hütte steht ein großer eiserner Kasten, seit Urväter Zeiten schon, keiner vermag ihn zu öffnen. Mir ist er zu nichts nütje, so will ich ihn Euch aufs Gewicht verkaufen.« Meisel ging auf den Handel ein und, obwohl Frau und Mutter an der Rückkunft des Bauern zweifelten, kam der am dritten Tage schon mit einer großen Kiste auf dem rumpelnden Wagen gefahren. Drei Männer waren nötig, sie herabzuheben und fünf, sie ins Gewölbe zu tragen. Sie verglichen sich miteinander, und der Bauer fuhr, reichlich bezahlt, aus den Toren. Als Mardochai eines Abends in das Gewölbe trat, er wußte nicht eigentlich warum, drang durch eine Ritje des Kastens ein wundersam blaues Licht. Mit Hammer und Stemmeisen versuchte er, die Türe zu sprengen, aber kaumwar das Eisen angesetjt, öffnete sieh der Schrein von selber: hoch aufgestapelt lag Gold darin und glänzte in ruhiger Bewegung. Meisel verbarg den Schaß im Keller, wo er am dunkelsten war, und schwieg, wartend, daß er dem Bauer wieder begegne. Als aber ein Jahr vergangen war und Mardochai den Markt der Stadt Prag vergebens Mal für Mal abgesucht hatte, häufte er das Gold in eine gewaltige Schatulle, trug sie zum Hohen Rabbi und bat ihn, aus diesem Geld einen Tempel zu bauen, so schön und so kostbar, wie keiner in der Umgebung zu finden sei, und ganz nach dem Geschmack der Zeit. Nur eine Bedingung knüpfte er daran: sein Name müsse verschwiegen werden. Der Rabbi segnete ihn und versprach ihm zu folgen. Bald darauf erhoben sich die Gerüste und ein großes Raten begann, wer der Stifter wäre. Der Rabbi aber schwieg dazu.

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