Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 134)
- Language
- German
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132 Heinz Poliljer Am nächsten Sabbatausgang trat der Primas bei den Armen ein, die elend in der Goldenen Gasse wohnten. Er schickte den Knaben aus der Stube. »Rabbi Schalum, ich habe ein Geschäft für Euch, ein Geschäft, das selbst am Sabbat abgemacht werden kann. Gebt mir Euren Sohn, ich will ihn halten als mein eigenes Kind!« »Euer Gnaden, mit Kindern mach ich keinen Handel! Nichts mehr soll Mardochai werden, als was sein Vater und Großvater war; seine Schultern sind stark, bald kann er Lasten tragen, wie ich sie getragen habe, ehe mir Gott mein Augenlicht nahm.« »Euer Sohn soll kein Lastträger werden. Ich habe es mir vorgesetjt, einen richtigen Kaufmann aus ihm zu machen. Er gefällt mir, der Junge, ich werde ihm meine Tochter zur Frau geben, sobald er erwachsen ist.« Lange schwiegen die Eltern entzückt, dann stand Schalum auf und erhob seine Hände. »Von Gott ist es bestimmt, möge der Herr seinen Segen ausbreiten über Euer Dach!« So verließ sie der Primas, nachdem er ihnen, selbst vor dem Knaben, Schweigen auferlegt hatte. Wie einst Vater Jakob um Rahel gedient hatte, diente nun Mardoehai um Sulamith. Doch blieb er bei den Eltern wohnen; dreimal des Tags führte er den blinden Vater zum Tempel und im Laden der Mutter verwandte er seine Kenntnisse, schämte sich nicht, ein altes Rad oder einen rostigen Pflug zu zerschlagen, um die Eisenstücke feilzubieten. Allmählich geschah es, daß Sulamith errötete, sooft sie ihn sah und der Vater förderte, der Verheißung gedenkend, die Neigung. Als Mardoehai zwanzig geworden war, verlobte Jizchak die beiden. Die Gemeinde kam in Aufruhr. Der reiche Primas verband sich mit dem gemeinen Lastträger, man riet dies und das, argwöhnte und hinterbrachte, bis man zu lächeln begann und zum Ende gelangte: Rabbi Jizchak sei eben ein Narr. Als dann die sieben Tage der Hochzeit vergangen waren, ließ der Primas den selben Wagen anspannen, auf dem er damals ausgefahren war, und lud den Schwiegersohn zu einer Reise über Land. Doch er fand die Stelle nicht mehr, sogar der Wald blieb unsichtbar. Jizchak aber, der Weise, wartete zu, Jahre gingen darüber hin, sein Haar wurde grau, jeden Herbst versuchte er, an den wundersamen Ort zu gelangen, doch blieb alles Forschen vergebens. Da umschattete Ärger seinen Blick, nicht gab er dem Jungen die Hand mehr, kaum daß er ihn grüßte. Da beschloß Mardoehai, dies Haus zu verlassen,