Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 132)
- Language
- German
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130 Heinz Politjer dem Blau. Jizchak ließ den Gäulen die Augen verbinden, hieß den Kutscher warten und teilte das Dickicht, bis er an den Fuß des glänzenden Wunders gelangte. Zwei Zwerge, ellenhoch, mit gekrümmten Rücken und verwachsenem Gesicht, füllten aus dem Schein linnene Säcke mit Gold und Silber, schweigend und die Blicke gesenkt. »Wem füllt ihr die Säcke?« begann der Rabbi. Da losch der Hügel aus, die Zwerge ruhten, und nur einige Dukaten glommen im Moos. »Nicht dir«, rief der eine, ballte die Faust und verschwand. »Für einen aus deinem Volk«, erwiderte der andere und lächelte. »Du aber, Primas von Prag, hast ihm mit deinen Worten geschadet!« »Wie heißt er?« Der Zwerg schwieg. »Gib mir ein Merkmal, damit ich den Glücklichen erkenne.« »Ich darf nicht.« »Und wann erhält er den Schatj?« »Wann deine Tochter mit ihm vermählt ist.« »Darf ich die Reste Gold mit mir nehmen?« »Tauschen kannst du sie, stehlen darfst du sie nicht.« Sogleich nahm der Rabbi den Beutel hervor, warf drei Dukaten zu Boden, nahm ebensoviele Stücke Goldes auf, ohne zu prüfen, ob sie vollwichtig wären. Noch vieles wollte er fragen, doch da er die Blicke vom Erdreich hob, umgab ihn die Finsternis völlig. Er kehrte aurück. »Ein Irrlicht ist's gewesen«, sagte er zum Kutscher und ruhigen Ganges fanden die Pferde alsbald die Straße wieder. Heimgekehrt überwältigte den Primas die Begier, den unbewußten Eigentümer solcher Schätje zu entdecken, doch all seiner Weisheit und Belesenheit blieb das Geheimnis dunkel. Da gedachte er der Patriarchen, wie sie oft zur Fügung Gottes ihre Zuflucht genommen hätten. Er wickelte die Goldstücke ein und ließ das erste in den Rinnstein vor seinem Fenster fallen. Er aber verbarg sich hinter dem Vorhang und spähte. Jizchaks Haus stand inmitten der Gemeinde, rege ging der Verkehr, und mancher rührte mit der Spitje des Schuhs an das Goldstück, doch erst in der Dämmerung geschah es, daß ein Straßenjunge herbeilief, barfuß, in zerrissenem Röcklein, mit russiger Stirn und schmalen Wangen, umherschaute, als fürchte er entdeckt zu werden, dann jäh sich beugte, die Münze auflas und davon sprang. Den Rabbi wunderte es sehr, er schüttelte das Haupt über Gottes sonderbare Wege und konnte die Stunde kaum erwarten, das er das zweite Stück auf die gleiche Stelle fallen ließ. Wieder verging der Tag, wieder sprang zur /