Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Almanach · 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 129

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5696 (1935-1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 129 (sequence 131)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4919024-4919797--0706-4919928
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Prager Sippurim i29 scher Stämme, Gedichte endlich, die in Geibels Manier Schillers Einfluß auf die jüdische Seele zeigen. Ähnlich den romantischen Bestrebungen, Volkskunst und Volkskunde zu sammeln, ist auch hier die Angleichung an die Zeitmode und den Geschmack der Redaktoren unverkennbar; nur daß eben die überklugen und betulichen Prager Rabbiner und »Schriftsteller« des aufsteigenden 19. Jahrhunderts um ein beträchtliches künstlerisches Maß hinter Gestalten gleich Brentano und Arnim zurückstehen müssen. Geschwätf und Gartenlaube, eine bis zum Unerträglichen und Komischen verzerrte Nachbarschaft von jüdischer Interjektion und deutscher Phrase, eine übergroße Deutlichkeit, die seichtestem Rationalismus entspringt, hat die ursprüngliche Märchenkraft und das dichterische Geheimnis oft bis zur Unkenntlichkeit verdorben, hat die zarten Fabelgestalten aufgeschwemmt, und eine Reihe kunstgedichteter Erzählungen — wie der zu seiner Zeit äußerst verbreitete Gawriel — sind recht dazu angetan, den Blick auf das unverfälschte Eigentum des wahren Volkes zu verwirren und zu ermüden. Im R. Löwit Verlag zu Wien ist vor nahezu einem Jahrzehnt eine von Siegfried Schmiß und Meir Wiener besorgte Auswahl dieser Legenden erschienen. —■ In der folgenden Erzählung, die jener Band nicht enthält, wurde nun der Versuch unternommen, durch entscheidende Verjüngungen der ursprünglichen Gestalt der Fabeln nahezukommen, so unmöglich es aucli ist, das von Entstellungen zerfressene natürliche Gesicht dieser Geschichten völlig wiederzubilden. Zugleich ist die Erzählung als Beispiel des vorhandenen Materials gemeint. Sie ist in Prag selbst zu Hause. Meisel In den alten Tagen fuhr Jizchak, Primas von Prag, über Land. Im Dämmer verlor der Kutscher die Straße, dichtes Gestrüpp, endlos ins Dunkel gedehnt, fing «ich in den Speiehen des Wagens, machte die Gäule irr. Plößlieh bäumten sie steil in die Höhe, daß Kutscher wie Fahrgast zu Boden sprangen. Da schimmerte aus unbestimmter Ferne ein kleines Licht, wuchs an, daß die beiden ihre Augen beschatteten, und stand endlich da als ein Hügel in glühen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.