Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 123)
- Language
- German
- Belongs to
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Vom J ü il i s c Ii e n Theater 121 genommen. Denn erstens war es doch jiddisch, deutschjiddisch zwar, aber doch jiddisch, ein besseres, schöneres Jiddisch und zweitens war doch hier alles beisammen: Drama, Tragödie, Gesang, Komödie, Tanz, alles beisammen, das Leben! Die ganze (Nacht habe ich vor Aufregung nicht geschlafen, das Herz sagte mir, daß auch ich einst im Tempel der jüdischen Kunst dienen, daß ich ein jüdischer Schauspieler werden soll. Nächsten Tag aber nachmittags schickte der Vater die Kinder ins Nebenzimmer, nur die Mutter und mich hieß er bleiben. Instinktiv fühlte ich, daß hier eine »Kasche« für mich gekocht wird. Der Vater sitjt nicht mehr; immer nur geht er im Zimmer auf und ab; die Hand am kleinen schwarzen Bart, spricht er, nicht zu mir, sondern nur zur Mutter: »Du sollst wissen: er wird von Tag zu Tag schlimmer, gestern bat man ihn im jüdischen Theater gesehen.« Die Mutter faltet erschrocken die Hände, der Vater, ganz bleich, geht fortwährend im Zimmer auf und ab, mir krampft sich das Herz, wie ein Verurteilter sifle ich, ich kann den Schmerz meiner treuen frommen Eltern nicht ansehen. Ich kann mich heute nicht mehr erinnern, was ich damals sagte, nur das weiß ich, daß nach einigen Minuten gedrückten Schweigens der Vater seine großen schwarzen Augen auf mich gerichtet und gesagt hat: »Mein Kind, gedenk, das wird dich weit, sehr weit führen« — und er hat recht gehabt.