Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Almanach · 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 117

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5696 (1935-1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 117 (sequence 119)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4919024-4919797--0694-4919916
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

117 Vom Jüdischen Theater Ein Vortrag Isaak Lbwys Aus Franz Kafkas Nachlaß In den Jahren vor dem Krieg gastierte in einem kleinen Prager Kaffeehause eine jiddische Theatertruppe, für die sich Franz Kafka sehr interessierte. Besonders einer der Schauspieler, Isak Löwy, erwarh die Zuneigung, ja die Freundschaft Franz Kafkas. Es wurde für Isak Löwy ein Abend veranstaltet, in dem dieser einen Vortrag hielt, den Franz Kafka seihst nach Angaben Löwys verfaßt hatte. Wir veröffentlichen hier das Manuskript, das sich in Kafkas Handschrift im Nachlasse vorfand und das dem »Jüdischen Almanach« von den Verwaltern des Nachlasses in entgegenkommender Weise zur Verfügung gestellt wurde. Mit Ziffern und mit Statistiken werde ich mich im Folgenden nicht abgehen; die überlasse ich den Geschichtsschreibern des jüdischen Theaters. Meine Absicht ist ganz einfach: einige Blätter Erinnerungen an das jüdische Theater mit seinen Dramen, seinen Schauspielern, seinem Publikum, so wie ich das alles in mehr als zehn Jahren gesehen, gelernt und mitgemacht habe, hier vorzulegen oder anders gesagt, den Vorhang zu heben und die Wunde zu zeigen. Nur nach Erkenntnis der Krankheit läßt sich ein Heilmittel finden und möglicherweise das wahre jüdische Theater schaffen. 1. Für meine frommen ehassidisehen Eltern in Warschau war natürlich das Theater »trefe«, nicht anders als »chaser«. Nur zu Purim gab es ein Theater, denn dann klebte Vetter Chaskel einen großen schwarzen Bart auf sein kleines blondes Bärtchen, zog den Kaftan verkehrt an und spielte einen lustigen Handelsjuden — meine kleinen Kinderaugen haben sich von ihm nicht wenden können. Von allen Vettern war er mir der liebste, sein Beispiel ließ mir keine Ruhe und, kaum 8 Jahre alt, habe ich schon im Cheder wie Vetter Chaskel gespielt. War der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.