Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 118)
- Language
- German
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116 Heinz P o 1 i tj e r Der Ahn Quer zerborsten von verjährtem Schorf, Hängt ums Fensterkreuz im späten Licht Meines Ahnen klagendes Gesicht, Den sie fluchend schlugen durch das Dorf. Da sie tranken, trat er traurig ein, Kästlein um den krummen Hals geschnallt, Sie doch hießen, schmagend vor Gewalt, Schmußig Fleisch ihn würgen und Blut-Wein. Ihre Finger, von viel Fusel stumpf, Trieben mit den Schläfenlocken Spiel, Rissen, daß der Alte rückwärts fiel, Ihm die Schuh ab überm feuchten Strumpf. Teilten seitlich, was der Ahne trug, Messer, Kämme, aus dem Hemd das Geld. Vor dem Fenster schmolz der Schnee im Feld, Sturm den Rauhreif aus der Weide schlug. Jäger schritten dort, schräg das Gewehr Vor der- Brust gerichtet in die Nacht. Nimmer ist der Ahne aufgewacht Und das Mühlwehr barst. Er stak zu schwer. Aber seines wunden Mundes Schrei Zahnlos klagend unterm hellen Schaum, Fährt mir vor dem Mond in meinen Traum: Ahn, mein Ahn, wann ist die Nacht vorbei?