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Jüdischer Almanach · 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 109

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5696 (1935-1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 109 (sequence 111)
Language
German
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Karpathorussische Rhapsodie 109 vorgestellt haben. Und man schert sich ebensowenig um die Meinung der übrigen Dorfbevölkerung, der Ruthenen, die mit Mißtrauen und immer stärkerer Abneigung zusehen, wie im Lande ein weitverzweigtes, oft ziemlich bevorzugtes tschechisches Schulnetj entsteht, mit Hilfe der Juden — so deutet es sich zumindest der ruthenische Bauer — jener Menschen also, mit denen man seit vielen Jahrhunderten friedlich und recht gut zusammenlebt. Das bringt nicht nur Entfremdung, sondern auch Spannungen mit sich, die eine große Gefahr für die Zukunft bergen. Hier wird der Zündstoff für alle künftigen antisemitischen Explosionen in Karpathorußland angehäuft. Ein Schulkampf, der mit zunehmender Nationalisierung der Kuthenen und mit dem sichtlichen Anwachsen ihrer Intellektuellenschicht mit der Zeit ganz andere Dimensionen annehmen kann, droht auf dem Rüclten der armen Juden ausgefochten zu werden. Weitsichtige Tschechen sehen vielleicht diese Gefahr — der Abgeordnete und Schulfachmann Vojta Benes hat sich im Vorjahre auf einer großen Prager Versammlung entschieden gegen diese Schulpolitik ausgesprochen — aber in der Praxis wird der einmal beschrittene Weg munter fortgeseßt. Wohin wird er führen? Mit Sorge schweift der Blick ins Land, wo doch gerade diese Sicht — mit Recht — als eine der schönsten weit und breit gepriesen wird. DAS MÄRCHEN VOM AUSBEUTER. Verlangt man in einer Buchhandlung irgendwo in Karpathorußland eine Ansichtskarte, so bekommt man gewöhnlich eine, bestenfalls zwei ganz primitive Abbildungen vorgesetjt, die so uncharakteristiseh sind, daß sie in jedem anderen Orte ebenfalls verkauft werden könnten. Dagegen ist die Auswahl an Hetjkarten mit antisemitischem Inhalt aus dem Verlage der Buchhandlung Novotny & Bartosek in Mukacevo — die auch den meistverbreiteten PKR- Führer ediert — bedeutend größer. Da gibt es solche: Zwei alte Juden, in der Manier des »Stürmer« verzeichnet; Text: »Eines der zehn Gebote: Liebe deinen Nächsten und betrüge ihn, wo du kannst.« Oder zwei ähnliche Gestalten blicken höhnisch auf eine Gruppe biederer ruthenischer Bauern; Text: »Das Opfer ist ausgesucht.« Oder: Eine verfallene Hütte, ein alter Jude reibt sich verschmitzt die Hände, ein junger Tscheche steht ganz verzweifelt vor der

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