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Jüdischer Almanach · 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 110

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5696 (1935-1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 110 (sequence 112)
Language
German
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IRI
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110 Dr. Hans Lichtwitj geöffneten Tür; Text: »Wohnungen tschechischer Beamter. « Die Karten werden unbeanstandet verbreitet. (Nur nebenbei: Ein Zionist, Dr. Benjamin Roth in Chust. hat gegen die Urheber und Verbreiter dieser Karten bei der Staatsanwaltschaft in Uzhorod die Strafanzeige erstattet und diese zur Einleitung eines Strafverfahrens aufgefordert. Die Staatsanwaltschaft in Uzhorod lehnte ein solches Ansinnen ab. Begründung: Auf den Bildern werden ja mir zwei Juden gezeigt, »bekannt aus zahlreichen traditionellen Illustrationen, markante Typen wucherischer Geschäftsleute.« Daraufhin richtete Dr. Roth eine Beschwerde an die Oberstaatsanwaltschaft in Kosice, in der es wörtlich heißt: »Wir verbitten uns ein für allemal, daß die Staatsanwaltschaft in Uzhorod den Typus des unanständigen wucherischen Kaufmannes mit dem des jüdischen Menseben überhaupt identifiziert, der schon seit einigen Jahrhunderten unter der hiesigen Bevölkerung lebt und mit ihr zusammenarbeitet.« Die Oberstaatsanwaltschaft in Kosice beläßt im großen und ganzen die Entscheidung der Herren ans Uzhorod. Und zieht sich in folgender, fast humoristisch anmutenden Weise aus der Affäre: Eine der auf den Karten abgebildeten Gestalten sieht zwar wie ein Jude aus. die andere »kann für einen Juden, aber auch für eine andere Nationalität angesehen werden, z. B. als Kosake. Tartare, Turkestane oder Armenier.« Und da ohnehin das Wort Jude nirgends schwarz auf weiß erwähnt wird, sieht man auch in Kosice keinen Anlaß zum Einschreiten.) Mag man darüber denken wie immer — so spiegelt sich das Bild des karpathorussischen Juden in den Augen der dortigen Bürokratie und der Touristen aus dem Westen, die in ihren Reiseführern nichts oder nur Schlechtes über die Juden in Erfahrung bringen. In den alten ungarischen Zeiten, vor dem Kriege, da mag es wohl im Lande noch eine Reihe jüdischer Wucherer gegeben haben, die selbst wiederum ein Werkzeug der ungarischen Gentry waren; vielleicht trifft man auch heute noch hie und da auf einen solchen — es ist nicht unsere Sache, Menschen zu verteidigen, die von der Ausbeutun;; anderer leben, auch wenn sie Juden sind — aber charakteristisch für den karpathorussischen Juden ist dieser Typus auf keinen Fall. Man werfe doch einen Blick in die jüdischen Proletarierviertel von Mukacevo, frage die Kutscher in Chust, wie groß ihre Tageslosung, gehe in die Vrehovina, in dieses und jenes

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