Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 107)
- Language
- German
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K ii r p a t h o r u s s i s c h e Rhapsodie 105 Vor diesen wenigen Worten einer jüdischen Mutter in Torun, die nicht Nationalökonomie und zionistische Ideologie und Kolonisationsgeschichte studiert hat, scheint mir in diesem Moment die ganze langatmige Diskussion zum Thema »Stadt und Land« zu verblassen. Hier in dem weltentlegenen Nest der Vrchovina sind unsere brennenden zionistischen Probleme frei von allen theoretischen Sehlakken selbstverständliche und natürliche Fragen des Alltags geworden. Es ist ein schwüler Juli-Abend. Wenige Tage zuvor hat ein Wolkenbruch von seltenem Ausmaße im Dorfe gewütet, Straßen zerrissen, Brücken weggeschwemmt, in den winzigen Gärten und Häusern der Juden großen Schaden angestiftet. Eine Regierungskommission aus Uzhorod hat mit Hinweis auf den Ausfall der letzten Parlamentswahlen, bei denen die Agrarier hier leer ausgegangen waren, die Hoffnungen auf staatliche Nothilfe gründlich zerstört. Man weiß in den meisten Familien nicht, wie man Haus und Besih wieder in Stand set$en wird. Sorgenvoll stehen die Einwohner vor ihrer zerstörten Habe. Und wovon spricht mein Begleiter? Von den nächsten Plänen des KKL und wie er im nächsten Jahre wieder sein Kontingent erreichen könnte .. . Und ich schäme mich im Stillen, im Gedanken an allerlei zionistische Sorgen und Hindernisse zu Hause, an beleidigte Komitee-Damen, an dich, der du schon seit Jahr und Tag keinen Finger mehr rührst und peinlich berührt bist, wenn man dich einmal in der Zeit an irgendeine zionistische Pflicht erinnert. LOHNENDE FAHRT NACH SlNOVlR. Da ist nicht von meiner Fahrt auf einem rüttelnden und klappernden Bauernwäglein von Volove auf der in weit ausholenden Serpentinen über das Gebirge kletternden Straße die Rede. Der Ausblick von der Anhöhe auf die legten Ausläufer der Beskiden im Westen und die Karpathen im Osten, auf das aus dem Walde hervorkriechende Sinovir und das im Walde untertauchende Kolocavo ist gewiß lohnend. Ivan Olbracht hat diese Gegend mit zarten Strichen in seinen Büchern (»Nikola Suhaj« und »Hory a staleti«) aufgezeichnet. Aber am gleichen Tage kam auf einem anderen Wege