Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 105)
- Language
- German
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Karpathorussischc Rhapsodie 103 man in Torun. 50 Kilometer von der nächsten Bahnstation, man ist mehr als anderswo vom Lehen abgeschnitten und spürt doch im ersten Moment: Hier pulsiert eine echte zionistische Wirklichkeit. Hier findest du auch den Stoff zu unserem noch ungeschriebenen Heldenliede vom unbekannten zionistischen Soldaten. Vor dem Kriege gab es im Ort keine Schulen, wenn man von dem an Erziehungsgehalt kaum der Rede werten Cheder absieht. Man holt sich immer wieder aus dem benachbarten Galizien Privatlehrer, die man mit großen materiellen Opfern in dieser für sie meist gottverlassenen Einöde hält. Der Krieg macht dem ein Ende. Um den Ort wird lange gekämpft, heute besitjen ihn die Russen, morgen die Österreicher. Viel bleibt da nicht übrig, die meisten Bewohner ziehen als Flüchtlinge von dannen. Und nach dem Kriege wird noch mitten in den allgemeinen Wirren mit unendlicher Zähigkeit all das Zerstörte wieder aufgebaut. Man hat noch kein richtiges Dach über dem Kopf und schon beginnt wieder die Sorge um die Erziehung der Kinder. Über die Grenze dringt aus Polen die Kunde von dem Entstehen eines hebräischen Schulw -rkt-s. Man schickt um einen llebräischlehrer und bringt ihn bei Nacht und Nebel ins Dorf. Später erwirkt man die Bewilligung für die Errichtung einer hebräischen Volksschule, der ersten Schule im Dorfe überhaupt. Auch ruthenisebv Kinder besuchen sie und lernen mit allen anderen Kindern .... bebräisch. Es gibt Schwierigkeiten über Schwierigkeiten, Sorge um den Bau eines Schulgebäudes, Drohungen der orthodoxen Gewaltigen in Mukaccvo,sfinflSÖzielle Nöte, man muß alles allein bestreiten. Fine tschechische Sehlde soll im Orte errichtet werden, für die paar Kinder der Gendarmen und Finanzer. Man benötigt, wie überall im Lande, zum Auffüllen der Klassen jüdische Kinder. Ein aufreibender Kampf beginnt. Auf allerlei Art und Weise, mit Zureden und Versprechungen, mit Drohungen und Schikanen wird versucht, die Juden von ihrer hebräischen Schule zu trennen. Ohne Erfolg. Sie behauptet sich, die jüdische Bevölkerung hält ihr die Treue. Man steht nur noch fester zusammen, bringt noch größere Opfer. Und dabei schrumpft der Lebensraum dieser Menschen immer mehr ein. Der Wald liefert nur noch geringen Verdienst, der Handel liegt trostlos darnieder. Es langt für ein dürftiges Leben und doch wird im Laufe der ganzen Zeit k^ine Aktion ausgelassen: Schekalim, KKL, Alijah, Schul-