Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 100)
- Language
- German
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08 Synagogen und Feste in Palästin wiederholende gelbe Minora darauf. Einer trägt einen rosa Mantel mit sandfarbenen Streifen und die Frauen tragen bunte seidene Gewänder wie lange weite Hemden und Stirnbänder, die hinten gebunden herabfallen. Überall essen die Familien und die Einzelnen in ihren Sukkoth, sie sitjen in den sanften Spätsommertagen unter Weintrauben und Granatäpfeln, unter Zitronen und Mais und sehen durchs grüne Gezweig einen blauen Himmel mit weißen Wolken und nehmen Abschied vom Sommer. Morgens und abends beten die Männer dort. Auf dem Treppenabsatz der Außentreppe steht eine einfache Sukka. Sie gehört einem alten Mann, ein junger Arbeiter baut sie ihm jedes Jahr aus Nettigkeit. Ein Licht brennt darin, schimmert durch die weißen Laken. Der Alte im weißen Bart und schwarzen München betet, leise klingt der Nigen durch die mondbeglänzte, sternenfunkelnds, leise schon herbstliche Nacht. In Tel-Aviv aber gibt eä das alles nicht. Wenige Sukkoth sind zu sehen. Auch ist nicht in jedem zweiten Haus ein Gebetstübchen. In Tel-Aviv gibt es große Synagogen. Und es geht laut in ihnen zu und heiter wie überall in Tel-Aviv und sie sind überfüllt wie alles in Tel-Aviv. Die Alten drängen sich mit der Thora durch die Volksmenge, die die Thora küßt, die Frauen gehen mit hinein zu den Männern. Scharen von Kindern stehen mit Fähnchen auf der Bima und dann tanzen die jungen Burschen vor dem Aron hakodesch Horra, den Nationallanz, laut und oft mit viel Gestampf. Dann wird die Synagoge leer und die Alten in den Gebetmänteln bleiben zurück und lesen leise die ewigen Worte.