Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 99)
- Language
- German
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Synagogen und Feste in Palästina 97 Drei Häuser davon ist eine Talmud-Thoraschule, in der Gottesdienst abgehalten wird. So durch ganz Jerusalem. Nur in den neuen Geschäftsvierteln findet man keine Bethäuser, sonst überall, in allen Straßen der Stadt, in allen Vororten, die judäischen Berge hinauf und hinab. Diese Form des Gottesdienstes hat das Judentum erhalten. Kein Priesler nötig, kein gebautes Heiligtum, jedes Zimmer für den Gottesdienst geeignet, jeder erwachsene Mann kann ihn abhalten, der hebräisch versteht. Große Teile der jüdischen Jugend aber halten nichts mehr. Sie, die durch die Chedarim und Talmud-Thoraschulen gingen, gefüttert wurden mit jüdischem Wissen, sind der Weisheit der Väter abgeneigt. Sie rebellieren wie nur je Jugend rebellierte. Sie sind Revolutionäre und Nationalisten. Sie gehen ins jüdische Land, aber nicht mehr in die Synagoge. Nach Jörn Kippur fängt man an, die Sukkoth zu hauen. In ganz Jerusalem, vor jedem Haus, auf jeder Terrasse, auf jedem Balkon stehen die Sukkoth. Im armseligen Mea Shearim werden auf den Gitterbalkons Holzstangen hochgezogen, daran Laken aufgehängt oder auch nur Säcke und Lumpen. Manche machen die Wände aus Wellpappe. Das Dach bilden ein paar Bretter, mit grünen Zweigen bedeckt. In der Altstadt, wo Treppen über Treppen emporführen, Terrasse über Terrasse, machen sie Lauben, auf den Treppenabsäften, wo man hinsieht in die kleinen Höfe sieht man die Lauben. Draußen in den vornehmen Villen-Vororten werden die Lauben auf den Terrassen aus Matten gemacht oder aus feinen Stoffen. Das Grün, das die Lauben bedeckt, ist grüner als bei den Armen und am Grün hängen die rötlichen Granatäpfel, die ersten, fast reifen grün-goldenen Apfelsinen, Grapefrüchte und Zitronen, Weintrauben, Feigen und gelblicher Mais. Manche hängen bunte Papierketten für die Kinder auf, bunte Papiersäckehen mit Schokolade gefüllt. In den Lauben der Armen brennen Talglichter oder die Petroleumlampe, in den Lauben der Wohlhabenden elektrisches Licht. Im Viertel der Bucharischen Juden sind Sukkoth aus den herrlichen bunten gestickten Decken. Die Bucharen gehen spazieren in ihren Mänteln aus schwerer gemusterter Seide, rot mit lila geht neben einem, der einen olivenfarbenen trägt, eine sanft verschwimmende, sich immer 7