Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 98)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4919024-4919797--0673-4919895- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
<><, Gabriele Tergit Durchschnittsarbeiter, erst im Alter bekommen ihre Gesichter das Große. Die Mädchen sind schmalhüftig und rehhaft. Oben in den Synagogen gibt es Bänke vor einem dichten Holzgitter, zwanzig Plätje für die Frauen, wo es unten in den Synagogen hundertfünfzig für die Männer gibt. Im Flur stehen Petroleumkanister, ein rostender Ofen, auf dem gestampften Lehm liegt Schmitt}, dahinter ist ein winziges Stübchen. In der Mitte steht eine Bima, lein paar Männer im Gebetmantel singen. Es sind kurdische Juden. Die Frauen stehen im Flur. Sie tragen hellgeblumte Kattunkleider, weite Böcke, eine Art einfacher Dirndlkleider, dazu aus großen Tüchern gedrehte Turbane auf dem Kopf. Hoch über der Mauer hängt eine Synagoge. Ein prachtvoller weißgekalkter Baum, in der Mitte eine Säule, die das Gewölbe trägt. Auf den mit Kissen bedeckten Bänken liegen einige. Es sind Juden aus Bagdad, das man hier Babel nennt. Ein paar Stufen hinab sißen mit untergeschlagenen Beinen Yemeniten, die südarabischen Juden. Sie tragen, im Gegensaß zu den orientalischen und sephardischen Juden, Pejes. Sie sind alle mager wie die Inder, haben lange, ungemein charakteristische Gesichter mit schwarzen kurzen Bärten. Die jungen Mädchen sind zierlich und süß, bevor die Zartheit Magerkeit wird. Vielleicht fünfzehn Männer, in Gebetmänlel verhüllt, sitjen auf den roten Sammtbänken. Daneben noch winziger wieder ein Betsaal für Yemeniten, überhaupt nur noch für zehn Männer. Neben der Klagemauer, wo wahrhaft heroisch die Beter in der glühenden Sonne den ganzen Jom Kippur stehen, führen winklige Treppen, geheimnisvolle schwarze Korridore zu einem kleinen Betsaal, hoch über der Klagemauer. Wunderbar feierlich ist die Synagoge der Chassidim. Die Männer in langen weißen Gewändern aus schweren seidenen Damasten, dazu die großen, schwarzen Pelzbiile, eine großartige Tracht. Das ist das Charakteristische, aus jedem zweiten Haus tönt Singen, in jedem zweiten Haus ist Gottesdienst. Im Heim der deutschen Einwanderer wird nach dem in Deutschland üblichen Nigen in zwei Schlafzimmern Gottesdienst abgehalten. Nur hier sind gleich viel Männer wie Frauen. Nebenan beten orthodoxe Frankfurter Juden.