Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 96)
- Language
- German
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94 Martha Hofmann: Das uralte Meer und das Schiff Das uralte Meer lauert grau, da die bergende Küste entgleitet. Der Himmel ist sturmgelb gebreitet. Ganz hoch tröstet flatterndes Blau. Das uralte Meer nimmt den Bau des Meuschenschiffs stumpf auf den Rücken. Es mag sich nicht legen noch bücken. Es wälzt und räkelt sich rauh. Das uralte Meer ist steingran. Und Wolken und Möwen sind Fegen in des Regens breitklatschenden Neßen, zerstrählt von des Westwindes Klau. Das Schiff stöhnt in Flanke und Knauf, gewallig gewiegt in den Wogen, nach uraltem Gleichmaß gebogen — hinüber, hinab und hinauf. Das uralte Meer ist mit Schaum behängt aus den tangtrüben Schlünden. Die Kiele der Dampfer zerschriinden die Epidermis ihm kaum. Das Meer rührt sich — Riese im Traum — und das Schiff taucht betäubt zu den Gründen . . .