Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 93)
- Language
- German
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Kunst pflege iu Tel-Aviv 91 miken usw. sehen, sämtlich Dinge, die hier produziert werden. Es sei auch vermerkt, daß sich mehrere Kunstgewerbeläden mit Erfolg durchzusetzen beginnen und man neuerdings auch gutes europäisches Kunstgewerbe zu sehen bekommt. Was wußte man bisher in Palästina von Baccarat, Lalique und Wedgwood? Wenn es sich hierbei zwar um Import handelt, so wirkt dieser doch wiederum belebend und anregend auf die hiesigen Künstler und ihre Leistungen. Tatsächlich liefert eine Anzahl von Kunstgewerben bereits hochwertige Qualitätsarbeit. Es werden hier ausgezeichnete Knüpferarbeiten, Keramiken in durchaus individueller Gestaltung, vorzügliche Silberwaren hergestellt, die auf absoluter technischer Höhe neue Formprobleme zu lösen mit Erfolg sich bemühen. Es entsteht schon eine Art von jüdischem Kunstgewerbe und es verlohnt sich, gerade diese Entwicklung mit Aufmerksamkeit zu verfolgen. Hier aber liegt eines der wichtigsten Probleme, das für den kulturellen Aufbau von höchster Bedeutung ist. Und hier eben setjen die Kräfte ein, die den eingangs erwähnten geistigen Unterbau zu festigen bemüht sind. Es muß für die Entfaltung eigener Leistungen gesorgt werden, es müssen Institutionen geschaffen werden, die das geistige Leben beeinflussen und jede Art von Bildung vermitteln. Es müssen öffentliche Mittel freigemacht werden, die dazu dienen, daß dieses durch den Zusammenstrom verschiedenartiger Menschen vorläufig noch uneinheitliche Gebilde eine organische Einheit auf gemeinsamer Basis wird, die aus sich eine eigene Kultur zu schaffen befähigt wird. Die Ansätze hierzu sind mehrfach vorhanden, nur kann die Entwicklung nicht mit dem übrigen Aufbau gleichen Schritt halten. Wir haben eine bedeutende hebräische Theaterkunst. Der Name »Habima« hat sich die Welt erobert. Aber dieses für die hebräische Kultur und Sprache so wichtige Unternehmen erhält keine öffentliche Subvention und muß sich kümmerlich durchschlagen. Wir haben eine Stadtbibliothek, die sich regsten Zuspruches erfreut und deren Lesesaal täglich überfüllt ist. Aber die zur Verfügung stehenden Mittel sind so gering, daß an die Anschaffung neuer Werke und die Beschaffung von Zeitschriften und Zeitungen nicht gedacht werden kann. Wir haben ein besonders stark entwickeltes Musikleben. Die Konzertsäle sind bei jeder Veranstaltung —■ und es gibt deren mehr als genug — stark besucht und man hört hier