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Jüdischer Almanach · 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 90

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5696 (1935-1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 90 (sequence 92)
Language
German
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90 Dr. Karl Schwarz zu wenig Parallelstraßen bestehen, urn den Verkehr zu regulieren, daß es an Plänen und Grünflächen fehlt, und es wird noch harte Kämpfe und große Geldopfer kosten, um hier Wandlung zu schaffen. Es sind dies aber nicht nur ästhetische Momente, sondern absolute Lebensfragen sozialer, hygienischer und rein praktischer Natur, von denen das Gedeihen einer Großstadt und ihrer Bevölkerung bedingt wird. Es macht sich aber außerdem in immer stärkerem Maße bemerkbar, daß die sozialen und kulturellen Einrichtungen nicht mit dem äußeren Aufbau Schritt halten können. Die Mehrzahl der Bevölkerung glaubt noch immer, daß es genügt, zu bauen und zu gründen. Sie sieht nur den geschäftlichen Aufschwung, wobei ein gewisser Teil, der immer noch geistig und milieuhaft in dem kleinen und unbedeutenden Tel-Aviv von früher steckt, aus der Sorge, von den Neugründungen nach europäischem Muster überrannt zu werden, sich gegen alles Neue, auch gegen jede kulturelle Neuerung stemmt. Man vermengt da zwei Begriffe, indem man den einen für den Feind des anderen hält, während sie dies in Wirklichkeit nicht sind, jedenfalls bei richtiger Auswertung nicht zu sein brauchen. Man befürchtet nämlich, daß die radikale Modernisierung eine Gefahr für den jüdischen Charakter der Stadt sei. Man will mit aller Gewalt am Alten festhalten, will nichts von Neuem hören und ist sich darüber nicht im Klaren, daß der Fortschritt weder aufzuhalten ist noch das spezifisch Jüdische zu gefährden braucht. Es sei zugegeben, daß die neue Einwanderungswelle viel von draußen mitgebracht hat, was als fremdländischer Import zu bezeichnen ist. Es zeigt sieh aber heute schon, daß diese Sorgen ziemlich unbegründet sind und sich ganz im Gegenteil eine Entwicklung anbahnt, die die neuen Anregungen in einer für das Land gedeihlichen Weise aufnimmt und auswertet. Das junge und arme Land war bisher nicht in der Lage, künstlerische Kräfte aus sich zu entlassen. Die wenigen Künstler führten ein ziemlich trostloses Dasein, da für sie kein Resonanzboden vorhanden war. Jetjt haben sich die Dinge bereits in etwas geändert, zunächst auf kunstgewerblichem Gebiet. Die durch die erhöhte Bautätigkeit sich ergebenden Bedürfnisse entwickeln neue Industrien. Man konnte bereits auf der vorjährigen Messe manches Interessante an Gebrauchs- und Ziergegenständen, an Möbeln, Stoffen, Beleuchtungskörpern, Silberwaren, Kera-

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