Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 91)
- Language
- German
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Kunst]) f I e g e in Tcl-Aviv 89 Zunächst das sinnfällig äußere Bild. Es wird hier in einem Ausmaß gebaut, als ob es gelte, eine vom Erdbeben verschüttete Stadt wieder aufzurichten. Überall wird eingerissen, rattern Mischmaschinen, wirbelt Staub auf und in kürzester Zeit werden ganz neue Straßenzüge und Stadtviertel errichtet. Die einstöckigen kleinen Häuschen verschwinden und man baut mehrstöckige moderne Wohnhäuser mit allem Komfort. Man könnte der Stadt den Beinamen »die weiße Stadt« geben, denn der helle Pntj, der fast durchgängig verwendet wird, gibt dem Stadtbild in dem grellen Sonnenlicht einen eigenartig leuchtenden und bei Mondschein einen gespensterhaft schneeigen Ausdruck. Das gesamte Bauwesen bewegt sich im Zuge einer radikalen Modernisierung nach europäischem Muster. Vorläufig ist noch nichts von einem besonderen Stil zu merken. Man baut nach praktischen Bedürfnissen, vielfach zu schnell und billig, da die Spekulation hier stark mitspricht, aber immerhin technisch und hygienisch nach neuen Methoden. Da sich hier aber ein Kreis erfahrener und künstlerisch gut vorgebildeter Architekten gesammelt hal, so ist zu hoffen, daß im Laufe der Zeit sich auch eine charaktervollere und typische Bauweise, die den modernen Stil den klimatischen Verhältnissen anpaßt, entwickeln wird. Besonders auffällig sind die vielen neuen Geschäfts¬ und Ladenbauten. Es sind große moderne Lokale entstanden und das Bild mancher Straße ist dadurch völlig verändert worden. Wo noch vor kurzem unansehnliche Kramlädchen standen, sieht man heute Geschäfte, wie man sie in Paris, London und Berlin findet, mit breiten, schön dekorierten Schaufenstern, modernen Firmenschildern und Lichtreklame. An der Peripherie entstehen große Fabrikgebäude, bei denen auf architektonische Schönheit Wert gelegt wird, im Inneren der Stadt ganze Bureaukomplexe. Man ist auch dabei, neue Schulen und andere öffentliche Bauten zu errichten. Dieses schnelle Entwicklungstempo einer Stadt, die in zirka drei Jahren ihre Bevölkerungszahl verdoppelt hat und durch immer nenen Zuzug etwas gewaltsam aufgepumpt wird, birgt mancherlei Gefahrenpunkte in sich. Eine der schwierigsten Fragen ist die städtebauliche Regulierung, die leider bisher nicht mit dem genügenden Nachdruck behandelt worden ist. Es zeigt sich jetjt, daß die Straßenzüge viel zu eng angelegt sind, daß streckenweise