Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 89)
- Language
- German
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Kihbuz Galujoth 87 Gesichtspunkt der Volkwerdung ist es zweifellos eine Gefahr. 6. Wir dürfen das Problem nicht der nächsten Generation zuschieben, es ist unsere eigenste Frage: Wie bilden wir aus Einwanderern Gemeinschaft? Bubcr hat einmal gesagt, ein Kreis entstehe nicht dadurch, daß sich die Peripherie zusammenschließt, sondern durch das Zentrum. Dies ist die entscheidende Frage: Gibt es für diese Einwanderer ein Zentrum, das sie zusammenschließt. Wir dürfen die Augen nicht davor schließen, daß der Zionismus als Partei für Palästina dieses Zentrum nicht bedeutet. Der Zionismus ist in Palästina von den Parteien abgelöst worden, die allein wirklich gemeinschaftsbildende Kräfte haben. Aber diese Kräfte bedeuten gleichzeitig eine große Gefahr, denn sie einigen und veruneinigen zugleich. Es wäre freilich schön, wenn wir sagen könnten, die Religion ist eine einheitsbildende Kraft. Aber die Wirklichkeit zeigt nichts davon, und wir sollen uns darüber keine Illusionen machen. Der »Aufbau des Landes« wiederum (Binyan Haarez) kann nicht ein gemeinsehaftsbildciidcs Ideal sein, solange nicht alle in der Art, wie das Land aufgebaut werden -soll, übereinstimmen. In unserer gegenwärtigen Lage sehe ich nur eine Kraft, die stark genug wäre, gemeinschaftsbildend zu wirken: das Hebräische, und zwar das Hebräische als die Sprache unserer großen Vergangenheit und deren Literatur. Könnte die Begeisterung für das Hebräische die Herzen entflammen, so wäre ein Zentrum der Gemeinschaftsbildung gegeben, das uns fehlt. Ob wir dazu fähig sind? Die Antwort liegt bei jedem Einzelnen: in Palästina und in der Diaspora. Man denke nur daran, welch gewaltige Kräfte am Anfang des 19. Jahrhunderts die deutschen Romantiker in ihrem Volke lebendig machten, als sie den Blick der Gebildeten auf die Schätjc der deutschen Vergangenheit zurückwandten. Könnten wir für unsere Vergangenheit eine solche Begeisterung entflammen, so wäre das Problem unserer Gemeinschaftsbildung gelöst. Das wäre ein Weg; vielleicht gibt es bessere. Vielleicht nicht einen Weg, sondern viele. Wie dem auch sei: das Wichtigste ist zunächst einmal, daß wir die entscheidende Bedeutung des Problems erkennen.