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Jüdischer Almanach · 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 86

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5696 (1935-1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 86 (sequence 88)
Language
German
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86 Hugo Bergmann Feinsehmeckerei geht. Es ist eine eminent praktische Aufgabe, denn von ihrem Gelingen hängt das Gelingen des Zionismus, die Volkwerdung in Palästina ab. Man überlege sich doch einmal, daß der Jischuw in seiner gegenwärtigen Verfassung, dieser Menschenstauh, der kein Volk ist, zu einer einheitlichen politischen Aktion unfähig wäre in dem Augenblick, wo diese politische Aktion gewisse Sympathien einzelner Volksteile berühren würde. Eine so einheitliche Aktion für das Hebräische und gegen die deutsche Unterrichtssprache, wie sie im Spr.achenkampf vor dem Kriege in Palästina durchgeführt wurde, wäre zum Beispiel heute unmöglich. Man kann dieses Beispiel beliebig ausspinnen. Ich erwähne es nur um zu zeigen, daß es sich hier um eine politische Aufgabe ersten Ranges handelt. 5. Es ist eine beliebte Ausrede zu sagen, die Volkwerdung sei Sache der kommenden Generation. Das ist ganz fälsch. Die Menschen, die jetjt nach Palästina einwandern, sind zum größten Teil 30—40jährig, werden also noch für eine ganze Generation das Gesicht Palästinas bestimmen. Die Frage der Bildung der künftigen Generation, die Bestimmung ihres Schulprogramms, des Lehrzieles, der Schulgestaltung hängt ganz von der Ansicht der Eltern ab. Und warum sollen Eltern, die im Hebräischen nur eine Art Esperanto, ein Verständigungsmittel für den Notgebrauch sehen, Verständnis dafür haben, daß der jungen Generation der Weg zu den jüdischen Werten der Jahrtausende gewiesen werden muß? Hat doch nicht einmal die jetzige Generation der Ostjuden das Verständnis für die Notwendigkeit dieses Weges in die Vergangenheit. Man beachte auch dies: Die Assimilationskraft Palästinas war bis vor kurzem gegenüber der jungen Generation durchschlagend. Daß Kinder untereinander nicht hebräisch sprachen, wäre undenkbar gewesen. Heute ist es eine häufige Erscheinung, Kinder zu sehen, die vor zwei Jahren nach Palästina gekommen sind und untereinander immer noch Deutsch sprechen, auch wenn sie in die hebräische Schule gehen. Das landsmannschaftliche Prinzip hat auch hier den Sieg davongetragen, indem sich die Kinder der deutschen Einwanderer in gewissen Schulen konzentriert haben. Das mag in mancher Beziehung gut sein, unter dem

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