Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 85)
- Language
- German
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Kibbuz Galujoth «:$ Juden auf ihre eigene Tradition besinnen, ihre eigenen hebräischen Dichter wie Schalom Scharabi mit Stolz pflegen, bedeutet dies Gewinn. Hier ist die Pflege des landsmannschaftlichen Elementes Stärkung des gemeinsamen einheitlichen Bodens, weil eben das Landsmannschaftliche jüdisch war. 3. Verderblich aber ist die Pflege des landsmannschaftlichen Faktors dann, wenn er schwach ist an jüdischer Substanz und reich an nichtjüdischer. Dann stellt sich die Landsmannschaft gegen die Gemeinschaft und verstärkt die Kräfte des Auseinanderstrebens. Palästina als Einwanderungsland ist natürlich immer im labilen Gleichgewicht. Jedes Schiff wirft neue Massen ans Land und wenn diese nicht vorher eine entsprechende Hachscharah ihrer Seele durchgemacht haben, bedeuten sie immer wieder eine »Störung«. Dennoch hat Palästina bis vor wenigen Jahren es vermocht, gegenüber den Wellen der Einwanderung sein geistiges Gesicht zu verteidigen. Die Einwanderer, die nach Palästina kamen, sahen in dem, was sie an hebräischer Kultur vorfanden, jenes »Nachahmungszentrum«, von dem Acliad Haam gesprochen hat. (In dem Aufsalj: Nachahmung und Assimilation.) Die Einwanderer bemühten sich, so schnell als möglich in die palästinensische Atmosphäre hineinzuwachsen, sich die Sprache und die Ideen derer anzueignen, die vor ihnen ins Land gekommen waren. Der neue Jischuw hatte auch ein gemeinsames Ideal, an dem er den Neuankömmling maß: es war der Chaluz, der Arbeiter. Gordon, Brenner und die ihnen nahestanden, formten das Gesicht des neuen Jischuw. Das ist nun in den letzten Jahren anders geworden. Die Einwanderung hat in einem Tempo eingesetzt, dem die junge palästinensische Kultur nicht gewachsen war. Sie konnte die Neuankommenden umso weniger sich assimilieren und ihnen umso weniger zum Zentrum der Nachahmung dienen, als diese Einwanderer zum großen Teil das Bewußtsein einer kulturellen Überlegenheit besaßen. Sie brachten neue Bedürfnisse und neue Bedürfnisbefriedigung ins Land, und Palästina erlebte einen technischen Fortschritt, den niemand erwartet hätte. Auch über das rein Technische hinaus waren zweifellos die Einwanderer geistig-kulturell auf einer höheren Stufe, aber im Gegensaß zur Technik konnte sieh die höhere Geistigkeit hier 6*