Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
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ä T8 Ernst Simon lischen Gemeinden) schon frühzeitig durch Selbstverdienen wirtschaftlich helfen müssen. Die Einführung einer »inner-jüdischen Schulpflicht« — die dann vielleicht beispielgebend auch auf die Regierung und die arabische Bevölkerung einwirken und den Analphabetismus überhaupt im ganzen Lande einschränken wird — hängt aber ihrerseits wieder mit einer zentralen Organisation des gesamten jüdischen Schulwesens im Lande zusammen. Ohne diese ist weder ein gerechter Lastenausgleich zwischen wohlhabenden und armen Städten und Kolonien, noch eine Herabsetjung des übermäßig hohen Schulgeldes in den Volksschulen denkbar. So stehen die erste und die zweite Forderung in engem Zusammenhang. Die dritte, die innere Judaisierung des hebräischen Schulwerkes, steht nur scheinbar für sich allein. In Wahrheit wird eine tiefere Erfassung der jüdischen Substanz und Erbschaft auch eine Schärfung des sozialen und nationalen Gewissens zur Folge haben. Ein rein formaler hebräischer Nationalismus läßt sich vortrefflich mit der unbefangensten Rücksichtslosigkeit gegen andere Teile des Volkes (und gegen andere Völker) vereinigen; eine Erziehung aber, der es gelingen sollte, das echte Pathos der jüdischen Überlieferung wieder zu erwecken (wozu Ortbodoxie allein keineswegs ausreicht) würde über die nötigen Antriebe und Hemmungen verfügen, um unseren Nationalismus zugleich inhaltlich jüdischer und menschlicher zu machen. Äußerlich und innerlich wird das jüdische Erziehungswerk der nächsten Jabre einen mächtigen Anstoß erlialten durch die für Palästina nun schon gewohnte, aber docb umwandelnd wirkende Erscheinung der Jugendalijah. Die Tatsache allein, daß alljährlich Hunderte von Kindern und Jugendlichen, vorerst nur aus Deutschland, sebr bald wohl aber auch aus Polen und anderen Ländern Osteuropas, in einem noch der Formung bedürftigen und zugänglichen Lebensalter ins Land kommen, stellt dessen Erwachsenen- Generatioti vor die in diesem Umfang bisher unbekannte Aufgabe der Schaffung von »pädagogischen Provinzen«. Dieses Jugendland, in dem es so viele junge Ehepaare und so viele ganz kleine Kinder gibt, dessen Altersäufbau vorläufig eine Pyramide auf so breiter Grundlage zeigt, soll nun plötzlich in weitem Umfange den Versuch elternloser Erziehung zu glücklichem Ende führen,