Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Esriel Carlebach Er gründet und leitet eine russische Zeitung, er vergrößert den Wirkungskreis durch die Mitarbeit an Achad- Haam's »Haschiloach«, aber mittendrin scheint es ihm, als könne nun, wenn die Hilfe von außen kommt, die Bereitschaft, die er innen, in Rußland, wachsen sieht, zu endgültigen Taten genügt werden. Und er geht diese Hilfe von außen holen, zurück nach Berlin, zum »Hilfsverein der Deutschen Juden«. Von der Arbeit dort wird er bald zurückgerufen. In Rußland scheint alles nun von selbst zum Besseren sich zu ändern. Es soll konstitutionell regiert werden. Die Wahlen zum ersten Parlament, zur Duma, werden ausgeschrieben. Zwölf jüdische Deputierte hat die Duma. Schmarja Lewin ist einer der populärsten von ihnen. Es sitzt auf der Parteibank der Kadetten und kämpft um die Bildung einer selbständigen jüdischen Fraktion. Er glaubt, wie alle damals, an eine organische Entwicklung zur Gleichberechtigung. Ansäße dafür sind vorhanden, stundenweise überzeugt seine Rednerschaft selbst das allrussische Parlament. Aber dann kommt das Pogrom von Bialistok, die Entdeckungen der mit Mühe und Not durchgcsetjten parlamentarischen Untersuchungskommission über die Urheberschaft der Regierung und nicht lange danach — der Erlaß des Ministerpräsidenten Stolypin, der die Duma auflöst und alle Hoffnungsträume wieder zerstört. Die Volksvertreter, die dem Traum nicht abschwören wollen, die glauben, daß die Kraft der Massen, von der sie emporgetragen worden sind, größer ist als die Kraft der Regierung, die sie unterdrücken will, gehen nach Viborg und erlassen ein Manifest gegen die Regierung. Sie rufen das russische Volk dazu auf, dem Zaren die Steuern und die Soldaten zu verweigern. Sie rufen zum offenen Kampf. Auch Schmarja Lewins Name steht unter denen, die das Viborger Manifest unterzeichnen. Auch ihm wie allen anderen, wie dem jüngst verstorbenen Dr. Rosenbaum und Kaßenelensohn, die für Monate und Jahre ins Gefängnis gehen, wird der Prozeß gemacht. Schmarja Lewin scheidet aus Rußland. Seither ist die ganze jüdische Welt sein Tätigkeitsfeld. Seither sitjt er in allen nurjüdischen Parlamenten und kämpft all die unzähligen nurjüdischen Kämpfe. Gegen