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Jüdischer Almanach · 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 51

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5696 (1935-1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 51 (sequence 53)
Language
German
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Dr. Schmarja Lewin 51 zusammen: Leo Motjkin, Dr. Victor Jacobsohn, Dr. Nachmann Sirkin, Dr. Schmarja Lewin und -—■ Chaim Weizmann, Feiwel, Dr. Ehrenpreis, Dr. Thon. Und sie verstehen, jeder auf seine Art, daß die Aufgabe eine innerjüdische ist und daß ihnen niemand helfen wird und kann als die Juden seihst. Und daß sie, als Einzelmenschen, den Juden keinen Doktorgrad und kein Allheilmittel aus den Industrieländern und nichts, garnichts zu bringen haben, als — sich selbst. Schmarja Lewin ist der einzige aus dem Kreis, der bewußt und von vornherein keine Vermittler, keine Memoranden und keine Organisationen zwischen sich und die beabsichtigte Wirkung schiebt, sondern im allerelementarsten Sinne — sich selbst bringt. Seine Persönlichkeit, seine Erscheinung, seine Reden. Und Schmarja Lewin ist vielleicht deshalb der einzige, der niemals, wie etwa Motjkin, Büroarbeit geleistet hat, indirekt vom Schreibtisch her, — weil er der allcrlebendigste, sagen wir ruhig die Wahrheit: der allerimpulsivste aus jenem Kreis ist. Zur Tribüne, von der aus er die Massen ansprechen will, wählt er das Amt des Kronrabbiners, des von der Regierung aufoktroyierten, allgemein verachteten Standesbeamten. Aber er tut das bewußt, um diesem Stand zu etwas mehr Ehre zu verhelfen und die äußerlichen Vollmachten, die er hat, zur Vermenschlichung des altjüdischen Erziehungswesens auszunutzen. Erst in Grodno, dann in Jekaterinoslav, zulegt in Wilna, ist er denn auch der einzige Kronrabbiner in ganz Rußland, der nicht verachtet wird, der unter Beweis stellt, daß sein Amt ihm nicht Posten, sondern Aufgabe ist und daß er seine Regierungsstellung nicht gegen die Juden sondern für sie nutjen will. Man beginnt sich Legenden von seiner Rednerkraft zu erzählen. Sein Name ist rasch so groß, daß er auf den Nachdruck, den seine Stellung ihm verlieh, verzichten kann. In Wilna ist er »nationaler Prediger« (matif leumi) der Synagoge »Taharat Hakodesch«. Er ist der erste, der in den kritischen Jahren vor 1905 sich mit einer revolutionslüsternen Jugend national jüdisch verständigen und sie zu sich herüberziehen kann. Er tut überhaupt vor allem Jugendarbeit. Er baut ein jüdisches Schulwesen auf und er erkämpft in ihm dem Hebräischen zäh und energisch einen gebührenden Plaß im Lehrplan.

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