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Jüdischer Almanach · 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 46

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5696 (1935-1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 46 (sequence 48)
Language
German
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46 Gerda Luft als der Ostjude. Es ist weiterhin richtig, daß sich das Geschäftsleben an diese deutschen Kunden assimiliert und der Ladenbesitjer und Kellner es vorzieht, schlechtes Deutsch zu sprechen, statt gutes Hebräisch — wenn er überhaupt selbst hebräisch kann. Es wird aber bei all diesen Klagen so manches übersehen und dadurch der deutschen Immigration vielfach Unrecht getan. Zuerst einmal, man hört heute im Lande mindestens ebensoviel Polnisch und Jiddisch wie Deutsch, aber niemand achtet darauf und nimmt Anstoß daran, weil es vertraut klingt, während die deutsche Sprache eine neue Nuance bedeutet, an die man sich gewöhnen muß. Außerdem ist es bewiesen und kann durch Zahlen belegt werden, daß noch niemals eine Einwanderung so energisch und gründlich Hebräisch gelernt hat wie die deutsehe. Diese Menschen, alte wie junge, sigen zu tausenden in den Abendkursen, lernen privat, mühen sich mit großer Anstrengung um die Grundlagen der Sprache und haben auch Erfolg. Die Fortschritte werden nur langsam sichtbar und es gibt auch viele, die nicht das Verständnis und die Energie für diesen geistigen Kampf aufbringen, aber es gibt einen guten und hoffnungsvollen Kern. Es ist bezeichnend für die kulturelle Situation Palästinas, daß gerade unter diesen Deutschen, jenen, die bereits einen guten Fonds in der Sprache besitjen und nun begierig sind, sich am geistigen Leben Palästinas zu beteiligen, das Kulturproblem als solches von neuem in seiner ganzen Tiefe angeschnitten wird. Sie suchen Verbindung mit anderen palästinensischen Kreisen und gelangen zusammen mit ihnen von neuem zu der alten, immer wieder vergessenen Binsenwahrheit, daß noch nicht viel allein damit getan ist, daß man die täglichen Arbeiten in hebräischer Sprache ausführt, daß es nicht darauf ankommen kann, daß man irgendwie hebräisch spricht, sondern auf das, was man in dieser neu erworbenen Sprache zu sagen hat. Es ist selbstverständlich, daß es heute in Palästina nur die ersten Ansätze einer hebräischen Kultur und einer einigenden Lebensform geben kann und daß wir auf dem Wege zur Einheitlichkeit erst einmal der Vielheit, auf dem Wege zur Sprache erst einmal der Sprachlosigkeit verfallen. Die Ungeduld, mit denen viele heute schon nach einer wirklich erneuerten hebräischen Kultur jagen, um zu erkennen, daß wir wohl eine Vergangenheit haben, aber noch keine Gegenwart, läßt oft

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