Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 47)
- Language
- German
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Ein Jahr der Umwälzung 4:5 Umfang als früher, und nicht zu Unrecht klagen die alten Veteranen des hebräischen Sprachenkampfes über das Babel, das in allen jüdischen Kreisen einzubrechen scheint. In der Tat ist die Aufgabe der Hebräisierung solcher großer Massen, die vielfach überhaupt kein Interesse an Kulturproblemen haben, außerordentlich schwer, aber sie scheint keineswegs aussichtslos. Die wichtigste Funktion in der Einführung der hebräischen Sprache haben im Lande immer die Kinder innegehabt, die in den Kindergärten und Schulen die Sprache lernten und dann die Häuser hebraisieren. Man darf annehmen, daß die Kinder auch heute der entscheidende Faktor in dem Übergangsprozeß sein werden, freilich unter der Voraussetzung, daß es gelingt, genügend Schulklassen und Kindergärten aufzumachen. Hier war bisher keineswegs alles wie es sein sollte, denn der Apparat war unfähig, mit der Einwanderung Schritt zu halten und es gab viele Kinder, die keinen Platj fanden, weil alles voll war oder weil die Eltern nicht imstande waren, Schulgelder zu zahlen. So geht heute so manches jüdische Kind in Palästina in eine Schule der Mission oder entbehrt auch eines systematischen Unterrichts. Es ist einleuchtend, daß hier in erster Linie eingesetzt werden muß und daß das hebräische Schuhtet} dauernder Vergrößerung bedarf, um mit der Immigration Schritt zu halten. Sowohl für die Kinder selbst wie für die Eltern und die Öffentlichkeit liegt hier eine lebenswichtige Frage vor, die in vollem Umfange gelöst werden muß. Erst wenn diese Aufgabe erfüllt ist, können die Institute, die für die Hebräisierung der Erwachsenen geschaffen werden — Abendkurse usw. — ihrem Zweck richtig dienen. Es muß an dieser Stelle ein Wort über die deutschen Einwanderer eingeschaltet werden, die in Diskussionen über die »Sprachenfrage« wieder und wieder als die eigentliche Ursache der palästinensischen Sprachschwierigkeiten dargestellt werden. Es wird vielfach behauptet, daß die deutsche Sprache im Verkehr die anderen verdränge, daß der deutsche Jude allen kulturellen Bestrebungen des Landes fern stehe, daß er keine hebräische Presse und kein hebräisches Buch lese. Richtig ist an all diesen Kritiken, daß natiu-lich eine Einwanderung von nahezu 25.000 Deutschen dem Lande ihren Stempel mit aufgedrückt hat, daß der neue Einwanderer aus Deutschland in der Regel weniger hebräisch kann und weniger sprachgewandt ist