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Jüdischer Almanach · 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 44

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5696 (1935-1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 44 (sequence 46)
Language
German
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44 Gerda Luft und Vorstellungen diese Lebensform beruhte, so findet man eine Reihe national-sozialer Gedanken: Rückkehr zum Land, zum Boden und zur Arbeit: Renaissance der hebräischen Sprache und durch die Verwirklichung dieser beiden ersten Forderungen die Schaffung einer neuen jüdisch-hebräischen Kultur. In den ersten Jahrzehnten waren die Bedingungen so schwierig, daß die neuen Einwanderer, die sich den ersten anschlössen, meist eine ausgewählte Elite darstellten, die vom Tage der Landung an sich in ihren Begriffen und ihrem Tun völlig umstellten. Was sie zusammenhielt, war neben den nationalen Vorstellungen das Ideal der Arbeit, das einen stark sozial gefärbten Ton hatte und zum treibenden Faktor der Kolonisation wurde. Heute haben sich — eben durch den Erfolg jener ersten und durch das Zusammentreffen einer ganzen Reihe palästinensischer und europäischer Umstände — die Verhältnisse grundlegend geändert. Von einer Auslese im Sinne der ersten Zeit kann keine Rede mehr sein. Die Tatsache der Mässeneinwanderung als solcher verhindert sie. Der Großteil der Einwanderer kommt heute nicht nach Palästina, weil das Land ihn braucht, sondern weil er das Land braucht. Was also heute hier geschieht, ist zu entscheidendem Grade bestimmt durch die Bedürfnisse der Judenheit und nicht durch die Bedürfnisse Palästinas. Das Resultat ist eine Verwischung der früheren »palästinensischen« Begriffe und Lebesformen und eine Sammlung der verschiedenartigen Gewohnheiten, die die Einwanderer aus ihren Herkunftsländern mitbringen, zugleich mit einer Europäisierung der Lebensformen im oberflächlichen Sinne, zum Beispiel in der Kleidung und in den Vergnügungen. Die Aufmerksamkeit der verantwortlichen Institutionen hat sich während dieser Immigration naturgemäß in erster Reihe dem Sprachenproblem zugewandt. Palästina hat immer in Zeiten der starken Einwanderung einen Kampf um die Durehsetjung des Hebräischen geführt. Heute ist er schwieriger und komplizierter, weil die Entwicklung so rasch geworden ist, daß die neuen Einwanderer, die das Hebräische nicht beherrschen, fast zahlreicher sind, als die eingesessenen Palästinenser, von denen es viele gibt, denen die hebräische Sprache zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist. Die Erziehungs- und Aufklärungsarbeit, die heul:- zu leisten ist, hat also einen sehr viel größeren

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