Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 45)
- Language
- German
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Ein Jahr der Umwälzung 13 Palästina so lange zu beobachten sein, wie wir eine nennenswerte Einwanderung zu verzeichnen haben. Obwohl also die Klassengrenzen in dauernder Verschiebung sind und die Arbeiterschaft imstande ist, einen guten Anteil an der Konjunktur zu erlangen, macht sich doch — eben als eine Folge der raschen Kapitalisierung der Wirtschaft — eine Revolution in den sozialen Begriffen geltend. Bis vor wenigen Jahren war das soziale Vorbild Palästinas der Arbeiter. Er stellte die Maßstäbe auf für kulturelles und soziales Tun, seine Lebensformen galten als die »palästinensischen« schlechthin, seine Tänze und Lieder waren auch in den dünnen bourgeoisen Schichten die üblichen und modernen. Sein moralisches und soziales Gewicht, seine Auffassungen und Ideale waren entscheidend. Das beginnt sich heute zu ändern, hat sich bereits in einem großen Maße gewandelt. Mit der Kapitalisierung und der Steigerung des allgemeinen Standards revolutionieren sich die sozialen Begriffe nach der bürgerlicheuropäischen Seite hin. Und zwar auf der ganzen Linie. Die bessere Kleidung, die Beachtung europäisch-üblicher Formen, bestimmte Arten des gesellschaftlichen Lebens halten in den Städten und in einem guten Teil der größeren Kolonien Einzug, und zwar bei allen Kreisen. Der Arbeiter ahmt die Vergnügungen der bürgerlichen Klasse heute vielfach in derselben Art nach wie früher der Bürger die seinen nachzuahmen suchte. Eine Ausnahme machen die nationalen Siedlungen, die vielfach etwas abseits des großen Stromes liegen und natürlich die Jugend — aber nur der Teil, der zur Arbeiterschaft neigt —, die in den Maßstäben und Idealen der früheren Kolonisation erzogen worden ist und sich vorbereitet, das Werk der ersten und zweiten Generation der Siedler fortzusetjen. Mit dieser Wandlung der Lebensformen, die sich durch die Expansion und den sich entwickelnden Kapitalismus der letjten Jahre angebahnt hat und die zweifellos weiter fortschreiten wird, wenn die Palästinaentwicklung den jetjt gebahnten Weg weiter fortschreitet, ergeben sich nicht nur soziale, sondern auch kulturelle Änderungen von großem Gewicht. Man konnte noch vor wenigen Jahren von einem »palästinensischen Stil« sprechen. Jeder, der das Land kannte, empfand eine bestimmte einheitliche Linie, die die Juden und ihre Bestrebungen im Lande verband, ihrem Tun und Leben einen charakteristischen Stempel aufdrückte. Versjucht man klarzulegen, auf welchen Id.een