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Jüdischer Almanach · 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 40

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5696 (1935-1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 40 (sequence 42)
Language
German
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10 Gerda Luft Verbrauch. Erst nach und nach gelangen wir dazu — bei den Plantagen, sobald sie Frucht tragen, bei den Industrien, sobald sie voll produzieren und entsprechende Absatjmärktc suchen ■— daß sich in der Wirtschaft neben dem Verbrauchsnioment auch das Produktionsmoment bemerkbar macht. (Mit diesem Moment, das heißt also mit dem Augenblick, wo die Palästinawirtschaft ihren Antrieb nicht so sehr aus dem importierten Kapital, sondern aus der eigenen Produktion bezieht, werden wir hier im Lande auf dieselben Wirtschaftsprobleme stoßen, die wir sonst auf der ganzen Welt als Absaßschwierigkeiten kennen. Daß Palästina sie heute nicht bat, liegt eben in den durch die Einwanderung immer von neuem importierten Bedürfnissen und die dadurch gesteigerte Kaufkraft.) Wir stehen also in einer Kapitalisierung der palästinensischen Wirtschaft. Sie wirkt sich in doppelter Weise aus: einerseits beschleunigt sie die Abbröckelung des feudalistischen Systems unter den Massen der Fellachen, die sich heute leichter als früher aus ihrer Umgebung lösen, zum Teil den Arbeitsmarkt füllen und zum Teil — häufig mit Hilfe von Verkaufs- und Abfindungssummen — ihre Wirtschaft modernisieren, während die Oberschicht der Araber sich den modernen Gesehäftsmethoden anzupassen beginnt. (Schaffung arabischer Banken für Handel, Industrie, Landwirtschaft.) Zugleich ändert die Kapitalisierung die Struktur der jüdischen Wirtschaft, damit auch die sozialen Verhältnisse und die Lebensform. Es ist bekannt, daß mit der Steigerung der Investitionen der sogenannte »nationale Sektor« des jüdischen Palästina, also die von den nationalen Fonds, Keren Hajessod und Keren Kajemeth gegründeten und geförderten Siedlungen und Unternehmungen in seinem Gewicht gegenüber der Privatwirtschaft geringer geworden ist. Nicht etwa dadurch, daß seine Aktionen sich verkleinert hätten, im Gegenteil, es ist gelungen, aus der Stagnation der legten Jahre herauszukommen und von neuem für das nächste Jahr Gelder für neue Kolonisation frei zu machen, sondern dadurch, daß die freie Wirtschaft so stark und rasch angewachsen ist, daß sie gegenüber den national kontrollierten Sektoren immer mehr an Bedeutung zunimmt. Es entsteht also neben den Siedlern auf nationalem Boden eine finanziell und damit auch sozial sehr potente Pflanzerklasse, eine Unternehmerklasse in den Städten, denen eine wachsende Arbeiterklasse gegenübersteht. Die Kapitalisierung hat also eine Differenzie-

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