Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 35)
- Language
- German
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Jaliresrückschau 33 sehen Leben die Wahrnehmung gewinnen, daß der Prozeß der Einengung des jüdischen Existenzraumes noch keinesfalls zum Stillstand gekommen ist. In Polen gehen durch die neue Verfassungsreform scheinbar auch die legten Reste der parlamentarischen Vertretung der Juden verloren und das Heer der jüdischen Luftexistenzen nimmt eher zu als ab. In Österreich hat sieh das herrschende Regime konsolidiert. Man lehnt hier zwar entschieden den brutalen und lauten Antisemitismus nationalsozialistischer Provenienz ab, aber der christlich-deutsche Staat hat genug andere Möglichkeiten, um der heranwachsenden jüdischen Generation die Eingliederung in das Berufsleben zu einem meist unlösbaren Rätsel zu gestalten. In der Tschechoslowakei war das vergangene Jahr von den Vorbereitungen für die im Mai stattgefundenen Parlamentswahlen erfüllt. Nach der Installierung von antidemokratischen Diktaturen in fast allen Nachbarstaaten sah mau vielfach dem Ausgange dieser Wahlen mit einiger Nervosität entgegen. Wird sich diese Insel der Demokratie behaupten können, werden nicht auch hier unter dem Einfluß des nahen Auslandes und einer unvermindert starken Wirtschaftskrise die Anhänger der Gewalt und der Diktatur über das bisherige Regierungssystem siegen? Die Straßendemonstrationen in Prag anläßlich des Insignien- Streites der beiden Universitäten verstärkten noch diese Ungewisse Atmosphäre. Die Wahlen haben dann den demokratischen Parteien einen großen Sieg und die in kürzester Frist durchgeführte Bildung der neuen I {»-;.; i«- - rung, die im wesentlichen das Erbe der alten antrat, ein Gefühl der Beruhigung mit sich gebracht. Als großer Erfolg der jüdischen Minderheit hierzulande muß verzeichnet werden, daß es der Jüdischen Partei als Trägerin der jüdisch-nationalen Politik gelungen ist, trog der Verschlechterung des Wahlgesetzes eine parlamentarische Vertretung für die jüdische Minorität zu erlangen. Zwei jüdisch-nationale Abgeordnete, Dr. Angelo Goldstein und Dr. Chaiin Kugel, werden nun auch in der kommenden Legislaturperiode die Interessen der tschechoslowakischen Judenheil im Prager Abgeordnetenhause wahren. Es ist dies fast schon die legte europäische parlamentarische Tribüne, auf der es noch möglich ist, unsere Forderungen direkt auszusprechen. Es gibt ein Barometer, auf dem mau ohne Schwierigkeit die tatsächliche Situation der verschiedenen Judenhei*