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Jüdischer Almanach · 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 32

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5696 (1935-1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 32 (sequence 34)
Language
German
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:52 Jahresrückschau lin, wo weit über die Hälfte der deutsehen Juden wohnen, begann an allen Eeken und Enden der Stadt seinen »Stürmer« auszustellen, bildete neue Sturmtrupps, die auf antisemitische Befehle gedrillt wurden und trat das erstemal mit einer größeren Aktion anläßlieh der Aufführung des antisemitischen Filmes »Petersohn und Bändel« an die Öffentlichkeit. Da gab es einige Tage richtige pogromartige Ausschreitungen in Berlin, wurden jüdische Geschäfte und Kaffeehäuser eingeschlagen, jüdisch aussehende Passanten verprügelt, die »Jüdische Rundschau«, die Zeitung der deutschen Juden verboten und als Krönung der bekannte Propagandist antisemitischer Gewaltmethoden Graf Helldorf zum Polizeipräsidenten von Berlin bestellt. Diese neue verschärfte antisemitische Hetzkampagne in Deutschland wird vielfach auf die sich häufenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten und die großen inneren Reibungsfläehen im Dritten Reiche zurückgeführt. Man versucht die Aufmerksamkeit der breiten Massen, denen in zahllosen Feiern und Reden zuviel versprochen worden war, was jetjt nicht erfüllt werden kann, auf andere Gebiete zu lenken. Wie dem auch sei, qins steht fest: Der deutsche Nationalsozialismus wird sich zumindest in einem Punkte, der Judenfrage, treu bleiben. Wir glauben es Goebbels aufs Wort, daß er das deutsche Judentum vernichten und verjagen will. Man wird wahrscheinlich mit Rücksicht auf das in solchen Dingen noch immer empfindliche Ausland wieder einige Zeit dem stillen und kaltc-u Judenboykott huldigen — aber es muß damit gerechnet werden, daß nach einem ziemlich klar umrissenen Plan, der im Programm der NSDAP enthalten ist, auch weiterhin die Entrechtung der deutschen Juden fortgesetzt werden wird. Und die Lage der Juden in den übrigen Ländern? Man ist meist gerne geneigt, ihre Situation als erträglich zu empfinden, wenn nicht ausgesprochen antisemitische Explosionen und Katastrophen das Gegenteil augenscheinlich beweisen. Ja, es gab keine Pogrome und Auschreituiigen größeren Formats — bis auf die sich nun alljährlich wiederholenden blutigen Exzezze in Algier — und die Not mancher Judenheiten schreit nicht unmittelbar /.um Himmel;. Aber der gewissenbafte Beobachter mußte au bimderten Alltagsdetails aus dem wirtschaftlichen und politi-

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