Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4919024-4919797--0611-4919833- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
:si Jahresrückschau ten ablesen kann: Der Bericht des Einwanderungsdepartements der Jewish Agency. Die Schichtung der Palästinaeinwanderer nach ihren Herkunftsländern und insbesondere die Widergabe der dringlichen Mahnungen, Proteste und Drohungen wegen Zuteilung einer ungenügenden Zahl Einwanderer-Zertifikate spiegeln unverblümt die Not der betreffenden Länder wider. Neben den Staaten Osteuropas, in denen noch immer Millionen Juden siedeln, ertönte der Ruf nach mehr Zertifikaten im vergangenen Jahre in immer kürzeren Intervallen und mit immer gesteigertem Nachdruck aus Karpathorußland, Österreich, Griechenland, Türkei, Persien, Turkestan, Jemen, Saloniki, Buchara u. s. f. Einmal gab es in den Listen der Jewish Agency die Sonderkategoric »Notstandsländer«, die im besonderen Maße berücksichtigt wurden. Man hat sie jetjt gestrichen — denn in dem langen Verzeichnis der Gebiete in aller Welt aus denen Juden nach Erez Israel strömen, gibt es fast nur noch Notstandsländer. Mit einer brennenden Frage ist auch im vergangenen Jahre weder die jüdische noch die große Welt fertig geworden: mit dem Emigranten-Problem. Nach dem Machtantritt Hitlers in Deutschland haben über 80.000 Menschen dieses Land verlassen, teils um ihr nacktes Leben zu retten, teils weil ihnen durch die neuen Machthaber die Basis ihrer Existenz jählings zertrümmert worden war. 65.000 davon dürften Juden sein. Unter den erschütternden ersten Eindrücken dieser Menschenvertreibung größten Stils wurden die Emigranten anfangs in den meisten Staaten freundlich aufgenommen. Ein Meer von Mitleid wogte ihnen entgegen, jeder wollte mithelfen, ihre Not zu lindern. Diese edle Gefühlswallung ist — wie wir schon oft an anderen Beispielen beobachten mußten — mit der Zeit verebbt und scheint heute gänzlich zum Stillstand gekommen zu sein. Auch die Staaten, die trotj mancher damit verbundenen innerpolitischen Schwierigkeiten, den Emigranten Asylrecht gewährten, erklärten sich bald mit aller Deutlichkeit außerstande, den Flüchtlingen überdies noch Arbeits- und Verdienstmöglichkeit zu bieten. Der unter Patronanz des Völkerbundes eingesetjte Flüclitlings-Kommissär Mac Donald bereiste die Welt, um ein Stück Lebensraum für dies neue Heer der Heimatlosen zu finden. Jedoch umsonst »die Welt ist weggegeben...«