Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 184)
- Language
- German
- Belongs to
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166 JAQUES OFFENBACH heit ein junger Kölner Musiker gewesen, der aber nur diesen einen Walzer komponiert habe und später verschwunden sei. Aber auch Isaak Offenbach wußte weder, was aus ihm geworden war, noch kannte er die Fortsetzung des Liedes. Von jetzt an fragte Offenbach viele Jahre lang in jeder Musikalienhandlung, die er betrat, nach dem Komponisten Zimmer und seinem Walzer. Er fragte alle seine Freunde und Bekannten, er suchte in Büchern und Verzeichnissen, — ohne Erfolg. Zimmer blieb verschwunden! Im Jahre 1871, Offenbach war also bereits 51 Jahre alt, befand er sich in Wien bei einer Aufführung der »Briganten«. Auf dem Heimwege vom Theater wurde sein Wagen von einer Menschenmenge aufgehalten, die sich inmitten der Fahrbahn drängte. Ein alter Mann lag reglos auf dem Boden. In Offenbachs Gesellschaft befand sich ein Arzt, der den Bewußtlosen untersuchte und Ohnmacht durch Entkräftung konstatierte. Als man den Namen des Unglücklichen feststellen wollte, fand man eine Visitkarte: Budolf Zimmer, Musiklehrer, Sternengasse 265. Offenbach wußte sofort, daß er den seit Jahren Gesuchten endlich gefunden hatte, und nahm sich seiner an. Er bezahlte ihm Arzt, Medikamente und alles, was sonst nötig war, und bat den Genesenen nach einigen Tagen zu sich ins Hotel. Zimmer kam ängstlich, schüchtern, ohne zu begreifen, warum der berühmte Komponist Jacques Offenbach ihm so freundlich geholfen hatte. Da ging Offenbach zum Flügel und spielte die ersten acht Takte des Walzers. Zimmer brach in Tränen aus. Als jedoch Offenbach ihn bat, die Fortsetzung zu spielen, da — wußte er sie selbst nicht mehr! Er versprach, am nächsten Tage mit den Noten wieder zu kommen. Aber noch einmal sollte Offenbach an der Erfüllung seines Wunsches verhindert werden: abends erhielt er eine Botschaft, die ihn dringend nach Paris abberief. Er hinterließ für Zimmer die Nachricht, daß er so bald wie möglich zurückkehren werde, als er jedoch nach einem Monat wiederkam, war Zimmer tot. Für Offenbach war der Walzer vorbereitet und ein Brief dabei, in welchem der Unglückliche nochmals sehr herzlich dankte und seine traurige Geschichte erzählte: Er habe Komponist werden wollen, sei aber durch den Tod seiner Braut so erschüttert worden, daß er nie mehr imstande gewesen war, etwas zu komponieren. Lange Zeit sei er unter dem Eindrucke dieses Erlebnisses überhaupt arbeitsunfähig gewesen und habe nie wieder Lebenslust und Freude finden können. In einem Päckchen fand Offenbach